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Meteoritica
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Meteoritensammlung

Inventory # C 023
Eine Leitform der Meteoriten. Von W. Haidinger
Wirklichem Mitgliede der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mit 2
Tafeln. Aus dem XL. Bande des
Jahrganges 1860 der Sitzungsberichte der mathem.-naturwissenschaftlichen
Classe. Wien 1860
In dieser aussergewöhnlichen Arbeit entwirft Haidinger mit Bezug auf
Schriften Kenngotts und Reichenbachs eine
vergleichsweise frühe Theorie der Flugphysik von Meteoriten.
Haidinger geht dabei besonders auf die Formgestalt
und Oberflächentextur der Meteoriten ein und erklärt
diese als Folge der beim Flug auf
die Stein- oder Eisenmasse einwirkenden Prozesse.
Im Gegensatz zu anderen Wissenschaftlern seiner Zeit gelangt Haidinger zu der
Schlussfolgerung, dass Steinmeteoriten
bereits ihre endgültige Form angenommen haben und erkaltet sind,
wenn sie die unteren Kilometer der Atmosphäre erreichen."Leitform der Meteoriten"
bietet eine umfassende Beschreibun jener Prozesse, die während der heissen Flugphase für die
Formgebung von Meteoriten verantwortlich sind und zeigt dafür eine Reihe exzellent
gewählter Beispiele auf. Haidingers Schrift zählt zu den ersten
Publikationen zu diesem speziellen Thema und schlägt eine
Reihe von Erklärungen für die Formgebung der Meteoriten vor,
die grundsätzlich genauso noch heute gültig sind.
Am Beispiel zweier orientierter Massen aus den
Meteoritenfällen von Stannern und Gross-Divina beschreibt
Haidinger die Bedingungen, unter denen manche Meteoriten eine stabile, oder semi-stabile
Fluglage ausprägen können. Die beiden kolorierten Lithografien auf denen diese Steine abgebildet sind,
zählen zu den Meisterwerken des Genres. Die Widergabe der Lichtreflexe auf der glänzenden
Rinde des Stannern-Eukriten, der Detailgrad und die Plastizität
der Oberflächentextur, blieben noch für die nächsten hundert Jahre
durch das Medium der Fotografie unerreicht. Im Gegenteil bedeuteten
die ersten fotografischen Aufnahmen von Meteoriten im letzten Viertel
des 19. Jahrhunderts einen gewaltigen Rückschritt in der grafischen
Abbildung von Meteoriten in Wissenschaft und Literatur.
Inventar # C-080
Ueber die näheren Bestandtheile des Meteoreisens
Von Frhrn. v. Reichenbach. XVI. Das Bandeisen und XVII Das Fülleisen. In: Annalen der Physik und Chemie.
Hrsg. von J.C. Poggendorff. Band CXIV. Stck. 2, 1861, Nr. 10, Leipzig 1861
Carl Friedrich Freiherr von Reichenbach, Entdecker des Paraffins, war einer
der bedeutenderen deutschen Naturforscher und Philosophen des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Leidenschaft für
Meteoriten wurde durch den Fall des Meteoriten von Blansko in Mähren im Jahre 1833 geweckt. Reichenbach, der
zu dieser Zeit als Chemiker in den Eisenhüttenwerken des Grafen Salm in Blansko arbeitete, ließ seine Arbeiter
tagelang suchen, bis der Meteorit gefunden wurde. Es wurde der Grundstein einer der größten privaten Meteoritensammlungen
seiner Zeit.
Nachdem Reichenbach als erster bereits das "Kamacit" als Bestandteil des widmannstättschen Meteoreisengefüges
isoliert, beschrieben und benannt hatte, widmet er sich im vorliegenden Aufsatz dem "Bandeisen" und dem "Fülleisen" des
widmannstättenschen Gefüges. Reichenbach schlägt für ersteres den Namen "Taenit" vor, vom Griechischen für "Band, Binde, Steifen".
Für das "Fülleisen" schlägt er den Namen "Plessit" vor, abgeleitet vom Griechischen für "voll machen, füllen".
Es ist dies die erste Erwähnung der heute gängigen Begriffe in der Geschichte der Meteoritenforschung. Zur optischen
Darstellung der verschiedenen Verbindungen des Meteoreisens bedient sich Reichenbach den beiden zu seinerzeit
häufigsten Methoden der optischen Darstellung: dem Ätzen, meist mit verdünnter Essigsäure und den Erhitzen und Analysieren der
dabei entstehenden Anlauffarben. Mit der chemischen Analyse der Gemengeteile beauftragte Reichenbach seinen
Sohn, ebenfalls ein anerkannter Chemiker. Dessen Ergebnisse verwiesen
auf einen relativ hohen Nickelgehalt des Taenits.
Der 1861er Band der Annalen der Physik und Chemie enthält darüber hinaus die erste Veröffentlichung
des Nachweises von Stickstoff in Meteoreisen (Boussingault: Stickstoff in Meteoreisen, S. 336), vollzogen
an einer Probe des Lenarto Meteoriten.
Inventar # C-078
Der Meteorit von Goalpara in Assam
nebst Bemerkungen über die Rotation der Meteoriten im Fluge. Von Hofrath W. Ritter v. Haidinger.
In: Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Band LIX, IV. and V. book. Wien 1869
Im Rahmen seiner Studien über die Orientierung von Meteoriten erhielt Haidinger Gelegenheit, ein weiteres Musterbeispiel eines
durch stabilen Atmosphärenflug geformten Meteoriten zu beschreiben. 1868 hatte sich nahe Goalpora in der Provinz Assam ein
Meteoritenfall ereignet. Dort war ein 2,7 kg schwerer flugorientierter Urelit vom Himmel gefallen.
Haidinger hatte Zugang zu erstklassigen Quellen. So lagen ihm neben einem ausgezeichneten Gipsabguss und einem 164g Fragment
des Meteoriten auch die Berichte und Zeichnungen Dr. Th. Oldhams, sowie die Zeichnungen in drei Perspektiven vor, die der
Kurator der Wiener Sammlung, Stoliczka, in Auftrag gegeben hatte. Außerdem verfügte Haidinger über die Zeichnungen, die
der Direktor des Wiener Museums, Dr. G. Tschermak, hatte anfertigen lassen. Diese Zeichnungen sind oben
und unten jeweils in halber Originalgröße abgebildet. Sie wurden vom berühmten Zeichner und Litographen R. Schönne ausgeführt.
Besser als jedes Foto geben die Zeichnungen in unnachahmlicher Präzision Charakter, Form and Textur
des Goalpara Steines wieder. Haidinger's ausführliche Beschreibung des Meteoriten erstreckt sich über drei Seiten. Sie zeigt,
wie es gelingen kann, allein durch Sprache ein eidetisches und luzides Bild eines komplexen
dreidimensionalen Objektes und seiner Oberfläche hervorzurufen. Insbesondere auf die Zuweisung der Brust- und Rückseite, sowie der
Rotationsachse und -richtung des Meteoriten verwendet Haidinger ausgesprochene Sorgfalt. Mit der Erklärung des Doppelkonus der
Brustseite liefert Haidinger auch eine 360 Grad-Darstellung des Profils des Meteoriten. Außerdem
zieht er zur Beschreibung der Gestalt eine ganze Reihe von Beispielen weiterer, zu seiner Zeit bekannter,
orientierter Massen heran. So etwa den Durala-Meteoriten, den 1863 Nevil Story Maskelyne beschrieben hatte
(The London, Edinburgh and Dublin Philosophical Magazine, Ser. 4. Vol. XXV, 1863) sowie den Karakol-Meteoriten nach A. Goebel (1840).
Im Zuge seiner Darstellung weiterer orientierter Massen revidiert Haidinger sein Urteil über die Richtung der
Flugorientierung, der von ihm in den "Leitformen" (1860) beschriebenen Gross-Divina-Masse. Er hatte seinerzeit angenommen, die
stark ausgeprägten Schmelzlinien und -grate seien Anzeichen eines geringeren Strömungs-Andruckes und würden deshalb die Rückseite
des Meteoriten anzeigen. Erst mit Hilfe der ebenso deutlichen Schmelzstrukturen auf der
offensichtlichen Brustseite des Goalpara-Meteoriten, gelingt es ihm, eindeutige Anzeichen für die Bestimmung der Flugrichtung eines
orientierten Meteoriten festzuhalten. [Unserer Ansicht nach, gibt Haidinger bei beiden Massen
in seiner Darstellung die Rotationsrichtung falsch an. Goalpara dürfte demnach eher gegen den Uhrzeigersinn und
Gross-Divina im Uhrzeigersinn rotiert haben]
Fortsetzung
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