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Kainsaz Meteoriten Expedition
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Karte

Der Regen
29. September 1937, zwischen Kastiljova und Kainsaz
Nachdem Selivanov alle verfügbaren
Augenzeugenberichte in eine chronologische
Folge gebracht hatte ergab sich ein relativ
genaues Bild der Ereignisse. Der 13. September
1937 war ein wolkenloser sonniger Tag mit Temperaturen
um den Gefrierpunkt. Der Winter nahte doch der braune
fruchtbare Lößboden der tartarischen Hochebenen
war noch nicht gefroren. Gegen 14:14 Uhr sahen einige
Beobachter in Perssidskaja, rund 50 km von der Kainsaz
Kolchose entfernt einen Feuerball, der wie aus dem
Nichts hoch am südöstlichen Himmel erschienen
war.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit durchflog der
Feuerball den Himmel Richtung Nordwest, teilte sich dabei
mehrfach und verschwand unter dem Horizont. Einige
Teilstücke des Feuerballes schienen dabei zur Erde
zur fallen, andere erloschen noch während des Fluges.
Bemerkenswert war, dass keiner der Augenzeugen, die sich
innerhalb der
Fallellipse befanden, etwas von dem Feuerball und
seinem Rauchschweif bemerkten.
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Selivanovs Karte des Kainsaz Streufeldes seinen Originalaufzeichnungen von 1937 entnommen.
Von den 15 Meteoriten, die Selivanov nach Moskau bringen konnte, sind 14 Fundpositionen vermerkt.
Den Fundort des 15. Meteoriten hatte der alkoholisierte Finder vergessen
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Dann waren vier oder fünf laute Detonationen zu hören,
die den Boden erzittern ließen. Die ersten Meteoritenfragmente
die zu Boden fielen waren haselnussgroße Stücke, die hart
westlich des Dorfes Kastiljowa niedergingen. Dies war der
äußerste Südöstliche Punkt des elliptischen
Streufeldes. Sekündlich schlugen Meteoriten weiter
nordwestwärts auf, in ihrer Masse zunehmend. Etwa eine
Minute nach den ersten Fragmenten fiel dann die 102,5kg
wiegende Hauptmasse nahe der Kainsaz Kolchose im äußersten
nordwestlichen Teil des Streufeldes.
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Das Sammeln trockener Informationen gestaltete sich schwierig
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Dazwischen waren nach
Selivanovs Erkenntnissen mindestens 12 weitere Meteoriten auf
der Achse Kastiljowa-Kainsaz gefallen. Selivanov archivierte
eine 53kg Masse einige hundert Meter südöstlich Kainsaz,
eine 27,5kg Masse bei Tash-Elga und eine 22kg Masse bei Krasny Yar.
Die Einschlagmulden wiesen in allen Fällen den Durchmesser des
Meteoriten auf und waren jeweils etwa so tief wie die größte
vertikale Ausdehnung der gefallenen Massen.
Eines Nachmittags wanderte Andreij zu einem Hügel
da wir herausgefunden hatten, dass es dort einen
schwachen Zugang zu einem der russischen Mobilfunknetze gab.
Pyotr hatte nämlich während unserer Expedition ein
zweites Team im Brahin Streufeld in Weißrussland am arbeiten
und es interessierte uns, ob die Kollegen bereits erfolg
gehabt hatten. Und in der Tat hatten sie erst vor einem Tag
ein 80kg Individuum gefunden und als ob das nicht ausgereicht
hätte, kurz bevor wir anriefen, ein
weiteres 25kg Exemplar aus rund einem Meter Tiefe geborgen.
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Birkenwald am westlichen Rand des Kainsaz Streufeldes. Obwohl die Suchbedingungen gut waren
brachte der Tag keine Funde. Möglicherweise aufgrund der relativ großen Entfernung des Gebietes
von der Zentralachse des Streufeldes, entlang der sich die Funde ehrfahrungsgemäß massieren
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Obwohl wir fest entschlossen waren, diesen kleinen
Vorsprung wieder einzuholen waren die Umstände gegen
uns. Am Abend setzte ein sintflutartiger Regen ein, der
ohne Unterbrechung vier Tage andauerte. Wir waren von jeglicher
Zivilisation abgeschnitten. Nicht einmal der treue Lada Niva war
in der Lage, die grundlosen mit Wasser vollgesogenen Äcker
und den mittlerweile zu einem reißenden Strom angeschwollenen
kleinen Fluss zu überqueren, der zwischen uns und der Piste
lag, die uns mit der nächstgelegenen tartarischen Infrastruktur
verband. Nach zwei Tagen hatte niemand von uns mehr einen
trockenen Faden am Leib und ich war überzeugt, wir
würden diesen Ort nur noch als Amphibien verlassen.
Unser Vorrat an trockenem Feuerholz, den wir wohlweislich
in den Zelten verstaut hatten, ging zur Neige und
es kam der Tag, an dem unser Lagerfeuer nur noch mit
Hilfe des Tunguska-Ofens zu entzünden war. In einer
dieser regnerischen Nächte weihte mich Pyotr in die
Geheimnisse eines Kultes ein, der alle russischen
Meteoritenprospektoren miteinander verbindet. Während
ihrer letzten Kampagne hatten Pyotr und seine Mannen ein
kleines Götzenbild geschnitzt dem sie Reis, Fleisch,
Tabak und Vodka darbrachten. Damit hatten sie
sich der Gunst des mächtigen und furchtbaren Gottes versichert.
Da der Kult, in den Pyotr mich einweihte es erfordert,
den Namen des Unaussprechlichen niemals preiszugeben,
nenne ich ihn hier nur den furchtbaren „P“.
Die Attribute dieses Gottes, der sich wie ich feststellte weder in
Lurkers „Lexikon der Götter und Dämonen“ noch
in Petzoldts „Götter und Elementargeister“ findet,
sind der Spaten und die Goldwaschpfanne, leztere neuzeitlich
umgedeutet als Detektorsuchkopf. Obwohl ich auf meinen Reisen
stets aufgeschlossen für die Bräuche und Sitten fremder
Völker war und es daher an der nötigen Neugier nicht
mangelte, erschloss sich mir dieses komplexe Kapitel
partikularethnischer Subkultur nur unvollständig.
Vollkommen offensichtlich war jedoch, dass wir
es versäumt hatten, dem furchtbaren „P“ ein Opfer zu bringen
und nun die Quittung für unsere Unaufmerksamkeit bekamen.
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Das Dorf Olbgino von Südosten gesehen. Dieser pittoreske Meiler liegt an der
Westgrenze des Streufeldes etwa auf der Höhe seiner größten Ausdehnung
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Die Reise endete wo sie begann, in Samara.
Der einzige Unterschied war, dass ich die
Herausforderungen des russischen Transits wesentlich entspannter
aufnahm als vor meiner Ankunft in Tartarstan. Nach meiner
Rückkehr hatte ich Gelegenheit, mit einigen Prospektoren
des Kainsaz Streufeldes zu sprechen, einschließlich
Ivan Kotyrew, einem der erfolgreichsten. Alle waren sich einig, dass
ein Fund auf diesem schwierigen Streufeld eine reine Frage der
Statistik sei. Darüber hinaus war zu berücksichtigen,
dass das Fundgebiet in den
letzten fünf Jahren bereits weitgehend abgesucht war.
Anfangs waren fünf volle Suchtage mit
mindestens vier Detektoren notwendig, um
einen Fund zu machen. Mittlerweile musste
man auf dem weitgehend abgegrasten Streufeld
mit mindestens dem doppelten Aufwand rechnen.
Unsere eigene kleine Expedition hatte lediglich
zwei Spectrum Geräte im Einsatz und kam nicht
einmal auf fünf volle Suchtage. Ich war nach
wie vor überzeugt, dass der Einsatz des Vallon
Magnetometers die richtige Entscheidung war. Dennoch
kostete das Angraben vieler Signale, das mangels
eindeutiger Metallunterscheidungseigenschaften des
Vallon Gerätes notwendig war, viel Zeit und
Suchkapazität,
die besser hätte genutzt werden können.
Der Umstand, dass diese Expedition zu
den zwanzig Prozent an Unternehmungen
zählte, die keine Meteoriten zu Tage
fördern, schmälerte nicht im Mindesten
das Erlebte. Im Gegenteil: ich hatte das
Vergnügen und die Ehre mit einem zähen
und hochspezialisierten Team zu arbeiten, das den
fremden Gast aus Deutschland mit größtmöglicher
Herzlichkeit und Gastfreundschaft aufnahm. Ich schulde
Pyotr Muromov und Andreij Andreiev meinen Dank für
die Möglichkeit, an dieser gemeinsamen Unternehmung
teilzunehmen und von ihren Erfahrungen profitieren zu
dürfen. Und letztlich dafür, dass mir
durch sie ein Einblick in die russische Seele gewährt wurde.
Fortsetzung
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Beide Seiten und Texturdetail der 73g Kainsaz Masse der Meteorite Recon Sammlung
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