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Die Schmelzkruste der Meteoriten
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Illustrierte Einführung. Text & Fotos Svend Buhl
Schaum- und Blasenbildung
Meteoroide mit stabilen Fluglagen entwickeln an ihrer Rückseite ein starkes
Vakuum. Dieses Vakuum fördert die Verdampfung eingeschlossener
volatiler Elemente was zur Blasenbildung führen kann. In semi-viskoser
Schmelze kann es zur Entstehung von Spritzkratern in der äußeren Schmelzkruste
kommen. Je länger der Meteoroid seine stabile Fluglage innehat, desto
intensiver der Ausgasungsprozess und die resultierende Schaum- und
Blasenbildung.
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Blasenbildung auf der Flanke eines LL5-Chondriten (Noktat Addagmar) |
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Obwohl die beschriebenen Effekte am ehesten auf der flugabgewandten Seite
anzutreffen sein werden, sind sie nicht auf diese begrenzt. Die abrupte Freisetzung,
beispielweise von S aus Troilit, von H20 aus aus Serpentin bei kohligen
Chondriten oder von CO2 aus der Verbrennung von Graphit führt zu Blasenbildung auch an Stellen,
wo man diese eher nicht erwartet, etwa auf der Brustseite oder den Flanken.
Kontraktionsrisse
Zuletzt, nach Überschreiten seines Hemmungspunktes, wird unser Meteoroid
lediglich noch durch die Erdanziehungskraft beschleunigt. Das bedeutet,
er legt die letzten Minuten seines Fluges zur Erdoberfläche im freien Fall
zurück. Während dieser Phase durchquert er die unteren Schichten der
Atmosphäre in denen extrem kalte Temperaturen herrschen. Diese führen
zu einer Kontraktion der gerade abgekühlten Schmelzrinde und damit oft
zu haarfeinen Kontraktionsrissen in der Schmelzkruste, die an den
Craquele-Überzug von Keramik erinnern (vgl. letztes Bild auf dieser Seite). Nicht
selten bildet sich Frost auf dem Meteoroiden, unter bestimmten
Bedingungen kann es zu einem Überzug mit Eis kommen.
Farbe
Die Farbe der Schmelzkruste ist generell schwarz. Die Qualität dieses
Schwarz reicht von glasartig glänzendem tiefschwarz bei den basaltischen
Achondriten bis hin zu einem matten, in dunkle oder hellere Brauntöne
changierenden Grauschwarz bei den meisten gewöhnlichen Chondriten.
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Glänzende Schmelzkruste auf dem basaltischen Eukriten NWA 5787
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Blasig-schaumartige, transparent olivgrüne Krusten, wie wir sie von
den anorthositischen lunaren Hochlandbrekzien kennen, oder aschgraue
und cremefarbene Schmelzrinde, wie sie bei den Aubriten auftritt, sind
sehr seltene Ausnahmen. Schmelzkrusten auf Eisenmeteoriten zeigen dagegen
bläulich-schwarze Farbtöne, die kurz nach dem Fall oft in Anlauffarben schimmern.
Generell wird die Farbe der Schmelzrinde vom Eisengehalt,
der übrigen mineralogischen Zusammensetzung, und der Bandbreite der
Schmelztemperaturen, sowie der daraus folgenden Viskosität der
Schmelze auf der Oberfläche des Meteoriten bestimmt. (Schneider et al. 2000).
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Bläulich-schwarze Schmelzkruste auf einem IIAB-Eisenmeteoriten (Sikhote-Alin)
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Direkt nach dem Fall geborgene Chondriten zeigen oft eine eher schwarze Kruste
auf einer Seite während die gegenüberliegende Seite eine deutlich braunere Farbgebung
zeigt. Es handelt sich bei diesem Phänomen nicht um einen Verwitterungseffekt.
Tatsächlich gehen die Farbunterscheide auf einen unterschiedlichen Magnetitgehalt
in den Schmelzen auf den gegenüberliegenden Seiten zurück. Letzterer wird durch
die unterschiedlich starke Zufuhr von atmosphärischem Sauerstoff und durch
Temperaturunterschiede beim Oxidationsprozess auf Vorder- und Rückseite des
Meteoriten bestimmt. Oft blockiert ein Vakuum auf der flugabgewandten Seite
die Zufuhr von atmosphärischem Sauerstoff zur Reaktion. Die Farbunterschiede
lassen somit auch einen Schluss auf die Fluglage des Meteoriten
zum Zeitpunkt der Bildung der Schmelzrinde zu.
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Farbunterschiede in der Schmelzkruste zwischen Brustseite (links)
und Rückseite (rechts) eines kurz nach dem Fall geborgenen H4 Chondriten
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Ausprägungsgrad
Meteoroide ab einer bestimmten Größe, besonders
solche aus Stein- und Steineisenzusammensetzungen, sind
nicht dazu geschaffen, den enormen Kräften zu widerstehen,
die während des Eindringens in die Atmosphäre auf sie
wirken. In aller Regel brechen sie explosionsartig in
Trümmerwolken auseinander. Die so entstandenen Fragmente
setzen ihre Bahn dann einzeln fort. Ein nennenswerter
Teil des Meteoroiden wird beim Auseinanderbrechen zu
Staub umgewandelt und geht als Ruß nieder. Das
Auseinanderbrechen ist dabei nicht auf die heiße Flugphase begrenzt,
sondern kann sich sukzessive bis zum Aufschlagen auf der Erdoberfläche fortsetzen.
Exemplare, welche die Erdatmosphäre dagegen in einem Stück
durchqueren, entwickeln eine stark ausgeprägte Schmelzkruste und
weisen einen hohen Abtragungsgrad auf. Bruchstücke die aus einer
Fragmentation stammen, die sich während der späten Phase des heißen
Fluges ereignet hat, weisen dagegen einen geringen Ablationsgrad
und eine dünnere, schwächer ausgeprägte Schmelzrinde
auf. Oft sind diese Stücke nur noch
unvollständig mit Kruste bedeckt. Manchmal weisen sie
lediglich noch Rußspuren auf.
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Stark ausgeprägte, dicke primäre Schmelzkruste (obere Bildhälfte) und schwach ausgeprägte,
dünne sekundäre Schmelzrinde auf der nur wenig geglätteten Bruchfläche (untere Bildhälfte) eins H5-Chondriten (Tamdakht). Bei den hellen Flecken
handelt es sich um aufschlagbedingte Erdanhaftungen
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Haarfeine Kontraktionsrisse auf primärer (obere rechte Bildhälfte) und
sekundärer (untere linke Bildhälfte) Schmelzrinde eines H5-Chondriten (Nuevo Mercurio)
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Ein multipler Fall, der in Gestalt hunderter
oder tausender Meteoritenfragmente den Boden erreicht,
wird ein breites Spektrum an Übergangsformen und
Zwischenstadien an Krustenausprägung zeigen. Forscher und
Sammler kategorisieren die verschieden starken Ausprägungen
von Schmelzkruste gerne als primäre, sekundäre und tertiäre
Kruste. Das ist durchaus hilfreich wenn verschiedene
Ausprägungen auf den unterschiedlichen Oberflächen eines Exemplares beschrieben werden.
Bisweilen hat man es jedoch mit sukzessiven Fragmentationsereignissen
zu tun, die ein fließendes Sprektrum sich voneinander nur noch graduell
unterscheidender Schmelzkrusten produziert haben. Vergleicht man die
Meteoriten eines solchen Falles miteinander, empfiehlt es sich, einen
bestimmten Ausprägungsgrad mit Bezug auf den relativen
Zeitpunkt zu beschreiben, zu dem sich die Schmelzkruste gebildet hat.
Innere und Äußere Kruste
Wie Ramdohr (1967) und später Genge and Grady (1999) gezeigt
haben, handelt es sich bei der Schmelzkruste nicht um einen homogenen
Überzug des Meteoriten sondern um eine aus zwei unterschiedlichen
Schichten aufgebaute Struktur.
Während die äußere Kruste aus vollständig
geschmolzenen Komponenten der ursprünglichen Lithologie besteht, wurde
die unterliegende, Substrat genannte Schicht, nur unvollständig
umgewandelt. In Steinmeteoriten enthält
sie Adern aus silikatischen Schmelzgläsern und Sulphidtaschen.
Morphologisch ist die äußere Kruste zu einem hohen Teil
aus sehr kleinen Vesikeln aufgebaut, deren äußerste Lage
sich gegen die Oberfläche öffnet, was Ursache für die matte,
glanzlose Oberflächentextur der meisten chondritischen Schmelzrinden
ist. Diese beim Verdampfen einzelner Komponenten entstandenen Vesikel
machen bis zu 50 Volumenprozent der äußeren Kruste aus. Das
Substrat, d.h. die innere Kruste ist dagegen eher kompakt und
lediglich von Schmelzadern und –taschen durchsetzt.
Unter dem Substrat bleibt die ursprüngliche
Lithologie erhalten, sie weist keine thermisch
induzierten Veränderungen auf.
Aufgrund der weitaus besseren Wärmeleitfähigkeit von Eisenmeteoriten
weisen diese unter der Schmelzrinde eine α2 genannte Zone auf,
in der die Kristallstruktur
thermisch verändert wurde. Diese Zone kann bis zu 2 cm in den Meteoriten reichen.
Fortsetzung
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