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Die Schmelzkruste der Meteoriten
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Illustrierte Einführung. Text & Fotos Svend Buhl
Abblösen von Kruste während des Fluges
Ein weiteres charakteristisches Phänomen, das in der Literatur kaum behandelt wird,
ist die Ablation bereits erstarrter Schmelzkruste. Besonders jene Meteoriten mit stark
ausgeprägter Schmelzkruste von 1 mm und mehr zeigen oft Flecken fehlender Kruste. Der CV3
Chondrit Allende ist ein gutes Beispiel, kaum ein Individuum dieses Falles zeigt eine vollständige
Kruste. Die blanken Flecken finden sich häufig an Ecken, Kanten und hervorstehenden Graten.
Bei den wenigsten handelt es sich um Schäden des Aufschlags, denn in den allermeisten Fällen
entstehen sie bereits während des Fluges. Ein Beleg hierfür sind krustenfreie Partien,
die Rußspuren aufweisen, also eindeutig noch während der Spätphase des
heißen Fluges entstanden sind. Wie Ramdohr (1967) bemerkte, ist die dünne Magnetitschmelzkruste
von Eisenmeteoriten besonders anfällig für das abblättern im Flug.
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Während des Fluges abgelöste Krustenpartien auf einem H4/5 Chondriten (Thuathe). Nahezu alle Fehlstellen befinden sich auf hervorstehenden
Graten oder Kanten
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Sowohl Oberflächengestalt, Dicke der Schmelzkruste, Korngröße
der unterliegenden Matrix und das Temperaturgefälle zwischen
Kruste und Innerem haben Einfluß auf die Adehsionskraft, mit der die
Schmelzrinde auf dem Meteoriten haftet. Ist diese besonders schwach, kommt es dazu,
dass einzelne Flecken durch die vom Luftwiderstand verursachten
Kräfte abgelöst werden.
Oberflächenverwitterung
Am Ende seines Fluges schlägt der Meteoroid auf der Erdoberfläche
auf und wird nun Meteorit genannt. Häufig wird die Schmelzkruste
durch den Aufschlag in Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus können abgeplatze
Krustenpartien oder Anhaftungen des Bodens Ausbreitungsherde späterer Verwitterung sein. Genausogut und je
nach Bodenbeschaffenheit kann die Schmelzkruste den Aufprall
aufgrund der relativ niedrigen Aufprallgeschwindigkeiten
aber auch unbeschadet überstehen. Aus den großen Fällen
Pultusk, Mocs, Millbillillie, Bruderheim, Camel Donga, Gao,
Bassikounou und Chergach zum Beispiel sind
viele Stücke bekannt, die keinerlei Beschädigung
des Krustenbildes aufweisen (Buhl et al. 2008).
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Leicht verwitterter LL6-Chondrit (Al Mahbes). Die krustenfreien Partien zeigen an den Flächen, die
nicht im Boden eingebettet waren, eine sich entwickelnde Patina sowie Spuren von Korrasion (Sandabrieb). In
den Kontraktionsrissen der Schmelzkruste haben sich Tonminerale abgelagert
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Einmal auf dem Erdboden angekommen, schützt seine Schmelzkruste den
Meteoriten zunächst vor den zerstörerischen Einflüssen
chemischer und mechanischer Verwitterung. Gleichzeitig ist
die Kruste jedoch auch der am meisten exponierte Teil des
Meteoriten und ein sehr sensibler noch dazu.
Betrachtet man die Schmelzkruste eines frisch gefallenen
Steinmeteoriten unter dem Mikroskop erkennt man eine verwirbelte,
rauhe und manchmal schwammartige Textur, die den Meteoriten mit einer
stark vergrößerten Oberfläche ausstattet. Diese Oberflächenstruktur
erleichtert die Angriffe chemischer und mechanischer Verwitterung
erheblich, da sie Kontaminationstoffen wie Kalziumkarbonaten, Tonmineralen,
Aggregaten aus windtransportierten Mineralstoffen oder Tautropfen eine gute
Haftung bietet. Ihre mangelnde Kompaktheit begünstigt darüber
hinaus die Abrasion durch Eis- oder Sandflug, wie sie in den
kalten und heißen Trockenwüsten auftritt.
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Die Rückseite des oben abgebildeten LL6- Chondriten (Al Mahbes). Deutlich sind tiefe durch Korrasion verursachte
Aushöhlungen zu sehen. Die stehengebliebene Schmelzkruste zeigt bereits eine durch Sandschliff hervorgerufene Politur
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Korrasion
Eine der ersten sichtbaren Anzeichen von Verwitterung bei Meteoriten,
die in ariden Umgebungen gefunden werden, ist eine matte Politur oder Glanz, der durch
Saltation, also den sprungweisen Windtransport und Anprall
von Sandkörnern hervorgerufen wird.
Der kontinuierliche Aufprall von Quarzkörnern erodiert mit der Zeit
die äußere vesikulare Schicht der Schmelzrinde. Während das unterliegende
Substrat in der Regel aufgrund seiner Kompaktheit deutlich widerstandsfähiger
ist, fällt die rauhe äußere Textur der Abrasion durch Sand
meist rasch zum Opfer. Diesen Prozess nennt man Korrasion.
In Gegenden mit hohem Quartzsandaufkommen kann dieser Effekt
binnen weniger Monate eintreten. Ist der Meteorit über lange Zeiträume
stärkerem Windschliff ausgesetzt wird früher oder später
auch das Substrat abgetragen und das darunter liegende ursprüngliche Mineralgefüge wird aberodiert.
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Durch Korrasion teilweise abgelöste Schmelzkruste auf dem Olivin-Diogeniten NWA 5597
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Meteoriten aus kalten Trockenwüsten, etwa der Antarktis,
sind einer ähnlichen Art von Erosion ausgesetzt. Trotz ihrer
teils erheblichen terrestrischen Liegezeiten zeigen antarktische
Meteoriten oft noch ein sehr frisches Inneres. Gleichzeitig ist
ihre Oberfläche oft stark durch windtransportierte
Eiskristalle aberodiert. Deratige
Korrasionsschäden reichen teilweise bis zu
1 cm und tiefer in den Meteoriten.
Ist die Schmelzkruste erst einmal an einigen Stellen
perforiert, funktionieren die krustenfreien Partien als Einfallstor für
erodierende Partikel. Nach einiger Zeit finden sich in entsprechender Umgebung tiefe Aushöhlungen
durch Sand- oder Eisflug, die sich zwischen und bisweilen unter die intakte Schmelzkruste gefräst haben.
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Rostblüten auf der Schmelzrinde eines L5-Chondriten (SAU 001) |
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Weitere chemische und mechanische Einflüsse
An seinem Fallort ist der Meteorit dem Delta zwischen Tag- und Nachttemperaturen
ausgesetzt. Große Temperaturgefälle erhöhen den mechanischen Stress
zwischen dem Inneren des Meteoriten und seiner Schmelzkruste, die über
einen unterschiedlichen Dehnungs- und Kontraktionskoeffizienten
verfügt. Fortgesetzte Kontraktion und Dehnung begünstigen damit eine weitere
Ablösung der Kruste.
Gleichzeitig ist die Schmelzkruste aber auch chemischen
Angriffen ausgesetzt, und zwar sowohl von außen als auch vom Inneren
der Meteoriten ausgehend. Die wichtigsten bei der chemischen
verwitterung beteiligten Reaktionen sind Oxidation, Hydration
und Lösung. Durch Feuchtigkeit, die durch Beschädigungen der
Kruste und Schockrisse in den Meteoriten eingedrungen ist,
beginnt das Eisen zu oxidieren und sein Volumen vergrößert
sich. Mit Fortschreiten dieses Prozesses vergrößern
sich die vorhandenen Risse und neue entstehen. Rost,
der sich direkt unter der Schmelzrinde bildet, führt
dazu, dass weitere Krustenpartien abplatzen.
Während das Eisen im Meteoriten zu neuen
Verwitterungsmineralen wie etwa Goethit umgewandelt wird, werden Olivin,
Pyroxen und Feldspat zu tonartigen Mineralen
umgesetzt, und zwar in dieser Reihenfolge.
Im fortgeschrittenen Stadium (>W2/W3) führen diese Prozesse zu einer
Braunfärbung des Meteoriten und seiner exponierten Oberflächen. In
einigen Fällen, insbesondere bei Funden aus den Wüsten des Oman,
werden Eisenoxyde und –chloride vermehrt durch wässrige Lösungen
ausgespült und auf der Oberfläche des Meteoriten abgelagert. Nicht
selten finden sich dann die gelösten Oxide als pockenartiger
Niederschlag auf der Schmelzrinde.
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Ein tiefer Verwitterungsriss öffnet sich auf der windgeschliffenen Oberfläche eines polymikten Ureiliten (Name und Publikation ausstehend)
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Spannungsrisse
Sind Meteoriten eine lange Zeit an der Oberfläche den
Elementen ausgesetzt, entwickeln sie oft tiefe Spannungsrisse,
besonders in arider und hyperariden Umgebung. Im Gegensatz
zu den Kontraktionsrissen in der Schmelzrinde durchziehen
sie den Meteoriten entlang bereits vorhandener Schockrisse
und Frakturen auch in seinem Inneren. Sie bieten
Feuchtigkeit und aggressiven Lösungen Zugang und
beschleunigen damit die weitere Umwandlung des Meteoriten
zu gänzlich irdischen Mineralen.
Früher oder später werden diese Risse zum vollständigen
Auseinanderbrechen des Meteoriten führen.
Fortsetzung
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