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Die Schmelzkruste der Meteoriten
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Illustrierte Einführung. Text & Fotos Svend Buhl
Exponierte und geschütze Partien
Die Geschwindigkeit und Intensität mit der die Umwandlungsprozesse auftreten
hängen weitestgehend von den geologischen und klimatischen
Umweltbedingungen ab. Welche Art von Verwitterungseffekt sich
auf einer Meteoritenoberfläche ausprägt ist auch der Bedeckung des Meteoriten
durch Sedimente o.ä. abhängig. Teile
des Meteoriten, die im Boden eingebettet sind,
verwittern chemisch sehr viel schneller und
stärker als exponierte Flächen. Auf der anderen Seite
sind gerade die eingebetteten Flächen nahezu vollständig
vor mechanischer Erosion geschützt. Besonders in
ariden Gebieten findet kaum eine Bewegung abrasiver
Partikel im Boden statt. Auf diese Weise konserviert
zeigen manche Meteoriten, die bereits vor
Jahrtausenden gefallen sind noch heute
sehr gut erhaltene Krustenpartien auf
ihren vom Boden bedeckten Flächen.
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Helle Caliche-Ablagerungen markieren das Niveau bis zu dem dieser L4-Chondrit
(SAU 464) im Sandboden eingebettet war. Während auf der eingebetteten Fläche (rechte Hälfte) noch Reste von Schmelztexturen der
äußeren Kruste erhalten geblieben sind, ist die Kruste auf dem exponierten Teil des Meteoriten bereits vollständig aberodiert (linke Hälfte)
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Verwitterungsgrad und Erhaltung von Schmelzrinde
Irdische Verwitterung ist unter bestimmten Bedingungen
binnen weniger Jahrzehnte in der Lage,
die gesamte Schmelzkruste eines Meteoriten abzuschälen. Auf der
anderen Seite können günstige Umstände dazu beitragen, die empfindliche
Schmelzkruste eines Meteoriten über Jahrtausende zu konservieren.
Der L5-Chondrit Say al Uhaymir 001 ist ein gutes Beispiel. Das
Streufeld mit über 450 kg an Meteoritenbruchstücken wurde 2000
von russischen Prospektoren auf einer pleistozänen Schotter- und
Sandebene im Nordwesten des Oman entdeckt. SAU 001 hat eine
irdische Liegezeit von 5.500 ± 1.300 Jahren (Al-Kathiri et al.
2005 [Tab.1]). Obwohl viele Exemplare dieses Falles nennenswerte Anzeichen von
Oxidation aufweisen, zeigen fast alle Individuen noch
ausgeprägte Schmelzkrusten. Trotz ihrer biblischen irdischen
Liegezeit verfügen viele dieser Meteoriten noch
über feine Schmelztexturen und Fließlinien.
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Fließlinien auf der Schmelzkruste eines SAU 001-Fragmentes, ein L5-Chondrit mit einem Verwitterungsgrad von 1
(W1). Trotz seiner irdischen Liegezeit von ~5.500 Jahren verfügt der Meteorit noch über eine außerordentlich gut erhaltene Kruste
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Für die in Dünnschliffen von Steinmeteoriten nachweisbaren Verwitterungsspuren
haben Wlotzka, et al (1993, 1995) einen Maßstab entwickelt, der von 1 bis
6 reicht. Dieser Maßstab ist jedoch ausschließlich relativ zu verstehen
und beansprucht keine Korrelation zwischen der terrestrischen Verweildauer
eines Meteoriten und seines Verwitterungsgrades. Der Verwitterungsgrad
nach Wlotzka ist deshalb kein brauchbarer Indikator, um davon auf den
Zustand oder auch nur das
Vorhandensein von Schmelzrinde eines Meteoriten zu schließen.
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Ein weiterer Meteorit mit einem niedrigen Verwitterungsgrad von W1. Der L3-Chondrit NWA 5923 ist jedoch
bis auf die Chondrenmatrix aberodiert. Deutlich sind die Chondren auf der windgeschliffenen und mit
Wüstenlack überzogenen Oberfläche zu sehen
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Im Gegensatz zum oben erwähnten SAU 001 zeigen andere Meteoriten,
die ebenfalls den geringen Verwitterungsgrad W1 aufweisen
(z.B. NWA 5910 and NWA 5923), aufrgund starker Oberflächenverwitterung
überhaupt keine Schmelzkruste mehr. Das Gleiche gilt für viele Funde
mit dem nächsthöheren Verwitterungsgrad W2. Viele W2 Meteoriten
zeigen überhaupt keine optisch erkennbare Schmelzrinde mehr, andere
widerum verfügen über noch gut erhaltene Kruste. Damit wird deutlich,
dass der Verwitterungsgrad nach Wlotzka sich nicht als
geeignetes Werkzeug zur Ableitung des Erhaltungszustandes
der Schmelzkruste eines Stückes eignet.
Irdische Verwitterungsrinden
Stark erodierte oder verwitterte Meteoriten haben oft dicke
Rinden aus Oxyden und anderen irdischen Verwitterungsprodukten,
welche die ursprüngliche Schmelzkruste vollständig ersetzt haben.
Um überhaupt noch von Resten von Schmelzrinde sprechen zu können,
sollte eine Schnitt- oder Bruchfläche zumindest das unterliegende
Substrat der Schmelzkruste erkennen lassen. Ist jedoch weder ein
Farb- oder Texturunterschied, noch ein Unterschied in der
mineralogischen Zusammensetzung zwischen einem die Fläche
begrenzenden Rand und der inneren Matrix zu erkennen, darf
als sicher gelten, dass das
entsprechende Exemplar über keinerlei Reste von
Schmelzkruste mehr verfügt.
Stellt man einen feinen lackartigen Überzug auf dem eher
gezackten Rand einer Bruch- oder Schnittfläche fest, und handelt es
sich dabei um eine dünne, semi-opake, glatte, glänzende und strukturlose
Schicht von hell- oder dunkelbrauner Farbe, dann handelt es sich mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Wüstenlack. Ein Phänomen,
das insbesondere bei stärker verwitterten NWAs von Laien häufig mit
Schmelzkruste verwechselt wird. Hier gilt: Sind keine eindeutigen
Schmelztexturen auf der Oberfläche zu erkennen, dann sind zumindest
Zweifel angebracht.
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Ein mit Wüstenlack bedeckter Dhofar 1508 Chondrit. Bruch- und Ablationsflächen weisen kaum noch Farbunterschiede zueinander auf
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Umwandlung von Schmelzkruste durch terrestrische Minerale
Wüstenlack oder Wüstenpatina ist ein lackartiger, sehr harter, brauner bis schwarzer Niederschlag,
der sich auf bestimmten Oberflächen in ariden und semi-ariden Umgebungen
bildet. Wüstenlack besteht im Wesentlichen aus Tonmineralen. Sie machen mehr
als 70 Prozent seiner Zusammensetzung aus während Eisen- und Manganoxide die
Hauptbestandteile der restlichen Zusammensetzung bilden. Sie sind
gleichmäßig im Wüstenlack verteilt. Daneben enthält Wüstenlack immer auch
einen unterschiedlich hohen Anteil an bakteriellen Mikroorganismen bzw.
deren Spuren.
Wüstenlack ist besonders unter Vergrößerung gut von Schmelzkruste
zu unterscheiden. Ihm fehlen die charakteristischen rauhen
Schmelztexturen, dagagen verfügt er über eine glatte, halbtransparent
scheinende Oberfläche, die oft einen matten bis starken
Glanz aufweist. Selten ist Wüstenlack auf Meteoriten dicker als 0,25 mm.
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Detail des oben abgebildeten Meteoriten. Die Schmelzkruste ist bis auf das unterliegende Substrat und
teilweise darüber hinaus aberodiert. An einigen Stellen hat Korrasion bereits die Matrix erreicht.
Eine glänzende Schicht aus Wüstenlack bedeckt die Oberfläche
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Stark verwitterte Oberfläche eines unklassifizierten Steinmeteoriten (NWA). Die ursprüngliche Oberfläche
ist bereits mehrere Milimeter tief abgetragen und damit auch die gesamte Schmelzkruste. Die dunkelbraune
Farbgebung ist zum Teil Folge der Oxidation des Eisens im Meteoriten und zum Teil durch die fortgeschrittene Ablagerung von
Wüstenlack bedingt |
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Weist der Meteorit hingegen helle ocker– oder cremefarbene
Beläge auf, die sich in verdünnter Salzsäure lösen lassen, dann
ist die Schmelzkruste durch Tonminerale oder Caliche substitutiert
bzw. zumindest davon überdeckt. Bei einem Caliche-Überzug handelt
es sich um besonders harte Schichten aus Kalziumkarbonat-Ablagerungen.
Als Niederschläge von Mineralen, die
aus den oberen Bodenschichten ausgewaschen werden, haften sie an
bodennahen Kontaktflächen.
Bei kompletten Steinmeteoriten, die keine Schnittfläche
aufweisen, fehlt die Möglichkeit, Matrix und Randzone optisch
zu vergleichen. Doch nahezu alle Meteoriten, die bereits
Verwitterungsspuren aufweisen, verfügen auch über beschädigte
Oberflächen, die in der Regel eine deutlich rauhere Textur als
jene der durch Ablation entstandenen Flächen aufweisen. Ist
kein Farbunterschied zwischen beiden Oberflächentypen zu
erkennen, ist das
ein Zeichen, dass Windschliff und die Bildung von Wüstenlack
bereits weit fortgeschritten sind.
Lässen sich weder Texturreste der Schmelzrinde
noch strukturelle Unterschiede zwischen Matrix und Randzone
feststellen, ist das Exemplar bis jenseits des Substrats verwittert
und es ist keine Schmelzkruste mehr vorhanden. In solchen Meteoriten
ist das Troilit häufig bereits vollständig zu Eisensulfat umgewandelt
und auch das übrigen Metall ist vollständig zu terrestrischen
Verwitterungsprodukten umgesetzt.
Der verwitterungsgrad eines solchen Meteoriten würde mindestens
W4 betragen.
Selbst wenn einzelne Reste des Substrats noch unter der stark
oxidierten Verwitterungsrinde vorhanden sein sollten, läßt sich ein
solcher Meteorit nicht mehr als „bekrustet“ ansprechen.
Ist die sichtbare Oberfläche des Meteoriten eine Rinde
aus irdischen Verwitterungsprodukten, sollte eine
authentische Beschreibung auch genau das zum Ausdruck bringen.
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Fragment des H5-Chondriten Dhofar 1457 mit Verwitterungsrissen, Caliche-Ablagerungen (untere Hälfte)
und deutlich fortgeschrittener Oxydbildung (ober Hälfte). Das Exemplar ist bis auf den Kern verwittert |
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Quellen und ergänzende Literatur:
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