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Meteoriten in situ - Funde aus den afrikanischen und arabischen Wüsten
Teil 1 Natürlich Konservierung

 

Meteorit, durch Winderosion aus dem Wüstenboden präpariert (SAU 001, 4 cm)

Meteoriten, die vor tausenden oder gar zehntausenden Jahren gefallen sind, bleiben unter bestimmten geologischen und klimatischen Voraussetzungen vor vollständiger Verwitterung bewahrt und lassen sich heute in bestimmten Wüstengegenden finden. Diesen Funden sind einige interessante Charakteristika gemein, die wir hier kurz vorstellen möchten.

Natürliche Konservierung
 

Meteoritenfund auf Wüstenpflaster (Rub al-Chali, 6,5 cm)
Die häufigste Fundsituation innerhalb heißer Wüsten begegnet uns auf Erosions- und Deflationsflächen. Meist sind dieses weite Ebenen oder Plateaus ohne den Leeschutz großer Gebirge, in denen heute jene Bodenhorizonte, die sich in den vergangenen erdgeschichtlichen Zeiträumen akkumulierten, konstant durch oft ganzjährig auftretenden Winde aberodiert werden. Meteoriten, die hier gefunden werden, repräsentieren in der Regel jahrtausende alte Meteoritenfälle, die in Zeiten fielen, in denen die klimatischen Bedingungen deutlich weniger arid waren als heute.

Diese Meteoriten fielen auf Bodenoberflächen, die seinerzeit Sedimentations- oder zumindest Stagnationsflächen darstellten und die über längere Zeiträume durch savannenartigen Bewuchs hinreichend vor Erosion durch Wind und Wasser geschützt waren. Eingebettet in Horizonten, die sie den zerstörerischen Kräften chemischer, thermischer und mechanischer Verwitterung entzog, entgingen die empfindlichen Fremdgesteine dem Zerfall teils über Zeiträume von mehreren zehntausend Jahren.

Nach Klimawechseln, die in erdgeschichtlichen Zeiträumen mehrfach die Bildung großer zusammenhängender Wüstenflächen auf dem afrikanischen Kontinent und der arabischen Halbinsel verursachten, legten Deflationsprozesse die Meteoriten frei. Nach und nach kommen Sie auf den heutigen Oberflächen zu liegen. Dieser Vorgang hält bis heute an.

Wüstenpflaster
Einer der häufigsten Oberflächentypen auf denen Meteoriten in Wüsten gefunden werden ist das Stein- oder Wüstenpflaster (auch Wüstenmosaik). Es zählt zu den am besten für die natürliche Konservierung aber auch für das Auffinden von exponierten Meteoriten geeigneten Oberflächen. Wüstenpflaster sind das Ergebnis eines Jahrzehntausende dauernden Sortierungsprozesses, zu dem es durch Ausblasung und Abwehung des feinkörnigen Bodens kommt. Besteht die ursprüngliche Oberfläche aus verschiedenen Korngrößen, beispielsweise aus, Schluff, Feinkies und Steinen, wirkt die aeolische Deflation selektiv. Das bedeutet, das Feinmaterial wird zuerst angegriffen und ausgeweht während die groben Komponenten zurückbleiben.

Ein so entstandener Bodenhorizont erreicht irgendwann einen stabilen, inaktiven Zustand. Eine weitere Umgestaltung findet dann kaum mehr statt. Die Glätte der Oberfläche bietet selbst bei höheren Windgeschwindigkeiten keinerlei Angriffsfläche mehr. Im Gegensatz zur kantigen, grobkörnigen Hammadah, bei der es zwischen den Gesteinsfragmenten zu Makroverwirbelungen kommt, welche das Ausblasen des Schluffs noch verstärken, verbleiben die feinkörnigen Bestandteile des Serirs unter und zwischen den Komponenten des Steinpflasters.

Alle größeren Objekte, die vor oder während des Deflationsprozesses in oder auf den Boden gelangten, enden schließlich auf der rezenten Oberfläche. Dazu zählen prähistorische Hinterlassenschaften genauso wie menschliche Artefakte, aber auch Meteoriten.

 

Dieser 2009 in der nubischen Wüste gefundene Meteorit, zeigt auf den bodennahem Flächen und in den Verwitterungsrissen Caliche-Ablagerungen (unter Klassifikation, Maßstabswürfel = 1 cm).

Caliche
Oft weisen die Wüstenfunde umlaufende Ringe und Flecken eines sehr harten, hellgrauen bis ockerfarbenen Belags auf. Diese Caliche oder Calcret genannten Ablagerungen bestehen aus kompakten Schichten von Kalziumkarbonat. Es bildet sich dort, wo der Meteorit in Kontakt mit dem umgebenden Boden ist. Caliche entsteht durch Evaporationsvorgänge in ariden bis semiariden Gebieten. Das Grundwasser steigt kapillar zur Oberfläche auf, verdunstet dort und lässt die mitgeführten gelösten mineralischen Bestandteile zurück. In der Regel ist dies Kalk, je nach Region können auch Salz oder Gips gelöst und auszementiert werden.

Die kapillare Evaporation kann in Meteoriten durch eine vorher stattgefundene Rissbildung begünstigt werden. Die Ablagerungen sind dann auch im Meteoriten in Haarrissen oder auf den Flächen durch Verwitterung abgesprengter Bruchstücke zu finden.

 

Die Bruchfläche dieses Meteoriten ist mit einer Kombination aus Wüstenlack und Verwitterungsprodukten des Meteoriten glasiert (Nubische Wüste, unter Klassifikation, 3 cm)

 

Windschliff und Wüstenlack haben das Äußere dieses Meteoriten geprägt (Rub al-Chali, 4 cm)
Die Bildung von Caliche ist im allgemeinen ein sehr langsamer Prozeß. Wenn allerdings genug Feuchtigkeit in einer sonst trockenen Umgebung zur Verfügung steht, können sich Caliche-Beläge auch rasch aufbauen. Wer einmal einen verkalkten Wasserhahn inspiziert hat weiß davon zu berichten.

Caliche auf Meteoriten enthält auch andere Mineralbestandteile, denn dass Kalziumkarbonat tendiert dazu, andere Materialien mit einzuzementieren. Dazu zählen Partikel aus Sand, Ton und Silt. Oft findet man Quarzsandkörner in oder am Caliche-Überzug von Meteoriten haften.

Caliche-Bildung auf Meteoritenfunden aus Wüstenregionen kann außerdem entscheidende Hinweise liefern, die zur Rekonstruktion von Klimaschwankungen und damit verbundenen geomorphologischen Prozesse beitragen. Mehrere parallele Ringe, die in unterschiedlicher Höhe eine Meteoritenoberfläche bedecken, sind beispielsweise ein Hinweis auf abrupte Veränderungen in der Erosionsrate während der Liegezeit des Meteoriten an der Oberfläche.

Wüstenlack
Ein weiteres Merkmal von Meteoritenfunden aus ariden oder hyperariden Wüsten ist der Wüstenlack (oder Wüstenpatina). Es handelt sich dabei um eine matt glänzende dunkelbraune bis schwarze Patina, die sich sehr langsam über Jahrtausende bildet und im Wesentlichen aus Tonmineralen besteht. Letztere bilden mehr als 70 Prozent des Wüstenlacks, wobei Kieselsäure der wichtigste Bestandteil ist.

Eisen und Manganoxide machen die Hauptbestandteile der restlichen Zusammensetzung aus und finden sich gleichmäßig im Wüstenlack verteilt. Da Wüstenlack immer auch einen unterschiedlich hohen Anteil an bakteriellen Mikroorganismen bzw. deren Spuren enthält, gingen Forscher davon aus, dass diese Organismen durch die Oxidation von Mangan und Eisen, welches sie aus dem windtransportierten Staub aufnehmen, für die Bildung des Wüstenlacks verantwortlich sind (z.B. Dorn et al. 1981).

Jüngere Forschungen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass biologische Prozesse zur Bildung von Wüstenlack gar nicht zwangsläufig erforderlich sind. Den Untersuchungen zufolge wird die Kieselsäure durch verschiedene chemische Prozesse aus anderen Mineralen der Wüstenoberfläche gelöst und härtet dann zu einer Glasur auf den Oberflächengesteinen aus. Dabei schließt sie die Spuren mikrobakteriellen Lebens aus der Umgebung mit ein. (Thiagarajan et. al. 2003, Perry et al. 2006).

Fortsetzung: Verwitterungsbedingte Fragmentation

Teil 1 Natürliche Konservierung
Part 2 Verwitterungsbedingte Fragmentation

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