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Expedition 2004 - Die Story
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Recon Expedition in die libysche Sahara 2004



Es ist fast dunkel, als die betagte Boing 727 der Libyan Arab Airlines zum Sinkflug auf Sebha ansetzt. Seit zwei Tagen weht der Ghibbli über der Gegend und der ockerfarbene Staub, der bis in 3.000 Meter Höhe steigt, hüllt die untergehende Sonne in ein finsteres Rot. Wenn der Dunst unter uns aufreißt, können wir zwischen den Dünen die Lagerfeuer der Beduinencamps erkennen. Dann erscheint Sebha im Südosten. Eine lose Ansammlung flacher Betonkästen und Wellblechhütten. Im Zentrum einige realsozialistische Prachtbauten am Fuße einer alten Türkenfestung. Weiter in der Ferne, wo die letzten Ausläufer der Stadt von der Wüste verschluckt werden, züngeln turmhohe Flammen am Horizont. Dort wird das bei der Ölförderung
 

Oben im Bild die Marsoberfläche vom Rover Spirit in Richtung Columbia Hills blickend aufgenommen. Unten eine Aufnahme der typischen Hammada al Hambrah-Oberfläche, die ähnliche Verwitterungsstrukturen zeigt.
anfallende überschüssige Erdgas abgefackelt.



Am Flughafen empfängt mich das Vorauskommando. Da ist mein Fahrer Saleh, ein Berber aus Idris und Madjeed, der in Sebha Vor- und Frühgeschichte studiert hat und nun als Handymän für eine Agentur in Tripolis arbeitet. Ammul, Tuareg aus dem Niger, wird uns als Koch in die Wüste begleiten. Er hat in Agadez eine Schule besucht und spricht exzellentes Englisch und französisch. Ausser als Koch habe ich ihn auch als Arabischlehrer engagiert. Dann ist da noch Karim. Er ist Mitarbeiter der örtlichen Bank und nur mitgekommen, um sich auch einmal den "Almanii" anzusehen, der zum "Steinesuchen" in die Wüste fährt. Der Start ins Suchgebiet ist für den nächsten Morgen geplant und so bleibt Zeit, in Hadsch Yussufs Teestube einen Schai zu nehmen und sich eine Schischa bringen zu lassen.

Sebha, Perle des Südens
Sebha, die uralte Karawanserei auf der legendenumwobenen Route zum Tschadsee, hat auch heute nichts von Ihrer Bedeutung im transafrikanischen Verkehr verloren. Viel hat sich hier seit dem Tagen der großen Karawanen nicht verändert. In den Suqs herrscht ein babylonisches Sprachgewirr. Man spricht die exotischsten Dialekte. Täglich stranden hier zahllose Kanuri, Bantu, Haussa, Tubu und Fulbe aus den ärmeren Ländern im Süden, auf Ihrer Oddysee in den reichen Norden. Sie stellen den größten Teil der Arbeiterschicht im reichen Libyen, so auch im "Al Fateh" dem einzigen Hotel am Platze. Dort verbringe ich eine ruhige Nacht, einmal abgesehen von den wiederholten Anrufen jenes aufgebrachten Koreaners, der mich unter Beihilfe des Nachtportiers zu überzeugen sucht, es befände sich eine "Mrs. Wong" auf meinem Zimmer.


Schuttwüste im Dschebel Hasawinah
Am Morgen checke ich mit Saleh noch einmal die Ausrüstung, getreu dem Motto "Trust in Allah, but tie your camel". Zu Recht wie sich herausstellt, denn niemand kennt den PIN-Code des Satellitentelefons. Dieser lässt sich erst durch einen Anruf beim Chef in Tripolis ermitteln. Bei einem Ernstfall, mehrere Tagesmärsche von der nächsten Wasserstelle entfernt, hätte diese kleine Nachlässigkeit für ungewollte Komik gesorgt.

Unsere beiden LandCruiser machen einen guten Eindruck. Gerade einmal 12 Jahre haben sie auf dem Buckel, was in diesen Breiten durchaus noch als neuwertig gilt. Mit zwei Zusatztanks, die zusammen über 250 l Benzin fassen, haben wir einen Aktionsradius von rund 1000 km im Gelände. Durch Mitnahme von mehreren Kanistern erweitern wir diesen noch einmal um rund 400 km. Um das Maß vollzumachen laden wir noch eine überdimensionierte Gasflasche, die gebraucht wird, um das Küchenfeuer zu beheizen. Ich frage Ammul, ob er damit ein "Nahr Aldjahannam", ein "Höllenfeuer" zu unterhalten gedenkt, was bei den Umstehenden zu einem Heiterkeitsausbruch führt. Unsere Expedition ist nun mit ausreichend Brennstoff versorgt und ich staune nicht schlecht, als ich höre, dass der Spass selbst für libysche Verhältnisse billig zu haben war. Der Tankwart, der durch seine grimmigen Stammesnarben als Haussa zu erkennen ist, verlangt gerade einmal 28 Denar von uns. Das sind umgerechnet etwa 20 EUR für rund 300 l "Naftah".

 

Im Süden und Osten ist das Hochplateau der Hammada von einem Labyrinth unwegsamer Wadis begrenzt
Nachdem wir für 5 Tage Wasser und für 10 Tage Verpflegung gebunkert haben, sind die Jeeps so vollgestopft, dass Ammul, unser Koch, die Kiste mit den Eiern auf den Schoß nehmen muss. Den für die Expedition frisch geschlachteten Hammel klemmt er kurzerhand unter den Arm, bevor er mit Mühe die Tür von innen schließen kann. Ich reiche ihm noch einen Sack Melonen durchs Fenster, den ich von einem baumlangen Haussa erstanden habe. Es wird Zeit dass wir verschwinden, den der Mann hat in mir den solventen Gönner entdeckt. Er will mich zum Kauf der krummbeinigen Ziege bewegen, die er an seinem Melonenstand feilbietet. Ich weiss dass die Haussa nichts dabei finden, eine Woche um eine Kalebasse zu handeln und verabschiede mich deshalb schleunigst.


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Abgedruckt in Meteorite
Nov. 2004






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