Sikhote Alin
Der größte Meteoritenschauer in historischer Zeit
Bis heute ist der Fall von Sikhote Alin der größte Meteoritenschauer in
historischer Zeit. Er ging am 12. Februar 1947 in Ostsibirien nieder.
"Bei vollem Tageslicht lief ein Feuerball von Nord nach Süd und detonierte
um 10:38 Uhr Ortszeit in der Erdatmosphäre. Die Trümmer des Boliden deckten
eine Fläche von rund
1,6 Quadratkilometern der schneebedeckten westlichen Ausläufer des Sikhote
Alin Gebirges." (Buchwald 1975).
Die russischen Wissenschaftler Krinow, Fesenkov, Shipulin und Chettjikov
sammelten zahllose Augenzeugenberichte in Orten bis zu 180km vom Fall
entfernt und lieferten ausführliche Untersuchungen aller Einzelaspekte
des Ereignisses. Ihren Forschungen ist es zu verdanken, dass Sikhote Alin
heute zu den am besten verstandenen Meteoritenfällen überhaupt zählt.
Die Aufnahme oben zeigt
drei Exemplare des Falles aus der Meteoritensammlung Buhl von jeweils 4,917kg,
261g und 7,910kg Gewicht (v.l.n.r.).
Der russische Mineraloge und Kosmochemiker E.L. Krinow beschrieb die
Feldforschungen vor Ort und lieferte zahlreiche Fotografien der Einschlaglöcher,
der gewaltigen Flurschäden und der gesammelten Fragmente des Eisenmeteoriten (Krinow, 1959).
In den Jahren 1947 bis 1950 wurden im Rahmen jährlicher Expeditionen der Russischen Akademie
der Wissenschaften zum Fallort
mehr als 8.500 Bruchstücke des Meteoriten von einem Gramm bis zu 1.745 kg geborgen, insgesamt
mehr als 23 Tonnen.
Die Masse des Sikhote-Boliden vor Eintritt in die Erdatmosphäre wird auf rund
1.000 Tonnen geschätzt. Davon erreichten inklusive der Verbrennungsrückstände
aus Ruß und Staub etwa 70 Tonnen die Erdoberfläche. Das Bild oben zeigt ein
flugorientiertes 261,9g Individuum, das Bild unten ein 3,7kg Individuum in
ungereinigtem Fundzustand.
Das vollständige Auseinanderbrechen des Meteoriten spielte sich in einer Höhe von etwa
4-6km ab. Insgesamt konnte man anhand der aufgefundenen Trümmer des Meteoriten drei
verschiedene Fragmentationsphasen rekonstruieren. Die erste Fragmentation geschah
demnach als sich der Körper noch mit einem erheblichen Anteil seiner kosmischen
Geschwindigkeit bewegte. Bruchstücke, die in dieser Phase abgetrennt wurden erfuhren
ein sehr hohes Maß an aerodynamischer Oberflächenablation und zeigen eine starke
Regmaglyptenbildung. In der zweiten Phase brachen Stücke aus der ersten Fragmentation
erneut auseinander, wobei der Körper noch über genügend Geschwindigkeit verfügte,
damit auch die hierbei entstandenen Exemplare noch deutlich durch Hitzeablation
geformt wurden. Danach hatte der Körper den größten Teil seiner Bewegungsenergie
abgegeben und die nun beim erneuten, dritten, Auseinanderbrechen geformten Stücke,
weisen nun durchgehend winklige, raue
unregelmäßige Oberflächen auf, die nur noch wenig bzw. gar nicht mehr durch
Abschmelzvorgänge überformt wurden.
Sikhote Alin Exemplare aus der ersten und zweiten Fragmentation durchliefen eine ausreichende
Flugzeit als individuelle Masse, um eine ausgeprägte Textur aus Schmelzgruben (Regmaglypten)
auszubilden. In kompakten Massen mit Durchmessern ab zehn Zentimetern wird das Verhältnis von Größe
der Regmaglypten zum Durchmesser des Meteoriten von of K=0,09 bestimmt. Das Verhältnis K ist dabei
umgekehrt proportional zur Größe des jeweiligen Meteoriten. Regmaglypten, die diesem Größenverhältnis entsprechen,
wie am Beispiel des oben abgebildeten 4.91kg Exemplars, bezeichnet Krinow als normal (Krinow 1974). Erheblich größere
Regmaglypten repräsentieren
dagegen eine ursprüngliche Oberfläche eines größeren Stückes, das in der Spätphase des Fluges fragmentiert ist.
Sikhote Alin Dokumentarfilm
Der unten eingebundene 17-minütige Dokumentarfilm fast die ersten drei Expeditionen
der Russischen Akademie der Wissenschaften zum Fallgebiet zusammen, die in den Jahren 1947
bis 1950 durchgeführt wurden. Es ist den Bemühungen Sergey Vasilievs (SV Meteorites) und Jeff Kykens (meteoritesaustralia)
zu verdanken, dass dieses einzigartige Zeitdokument mit englischsprachigen Untertiteln versehen wurde.
Sovietischer Dokumentarfilm über die ersten Expeditionen zum Fallort 1947-1950.
Das Bild unten zeigt ein stark skulpturiertes Exemplar des Shikote Alin Meteoritenfalles mit
einem Gewicht von 7,910kg. Es stammt aus dem Fersman Mineralogical Museum in Moskau. Der Eisenmeteorit
verfügt über einige bis 3,5cm tiefe Höhlungen auf deren Grund noch die rauen ursprünglichen Scherflächen
der Fragmentation zu sehen sind. Die Rregmaglyptenbildung reicht nur bis zu
zwei Dritteln in diese Höhlungen hinein, deren Boden im toten Winkel des Plasmastrahles vor Hitzeablation
geschützt waren.