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Der Meteoritenfall von Tamdakht, Marokko Seite 1 |
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Meteoritensuche im Wadi Amarhra, nahe Tamdakht. Foto: M.Aid
M. Aid mit einer beim Aufschlag zertrümmerten ~2kg Masse in einer flachen Impaktmulde
Am Samstag, den 20. Dezember 2008, um 22:37 Uhr Ortszeit,
wurden die Bewohner von Südwest- und Zentralmarokko Zeugen eines
spektakulären und in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Ereignisses. Ein ungewöhnlich heller
und lang anhaltender Feuerball, der in einem Umkreis von über 400 Kilometern
sichtbar war, erhellte den Nachthimmel. Der Bolide, der von hunderten, wenn nicht
tausenden erschrockenen Zeugen beobachtet wurde, jagte in einer nahezu horizontalen
Bahn von der Westküste
in Richtung des Hohen Atlas. Zwei Wochen später wurden die ersten Bruchstücke
des Meteoriten gefunden.
Aufgrund abweichender Berichte zur exakten Bahn des Feuerballes ließ sich
sein genauer Kurs bisher nicht ermitteln. Nach A. Alhyane, der Gelegenheit hatte, mit
mehreren Augenzeugen zu sprechen, zog sich die Bahn des Boliden von Tafraoute im Südwesten
Marokkos in nordöstlicher Richtung über die Nordspitze des Anti-Atlas bis in die Gegend nördlich
von Amerzgane bei Tamdakht. Augenzeugen am Endpunkt der Bahn in der Gegend von Ait
Ourir beobachteten, wie der Feuerball zwischen Ait Ourir und Tahnaout in den Bergen des Atlas
verschwand.
Sollte diese Beobachtung zutreffen bedeutet dies, dass der Bolide zu diesem Zeitpunkt
bereits sehr tief flog. Da Ait Ourir selbst bereits relativ hoch bilden
die südlich gelegenen Gipfel keinen großen Sichtschatten. Erhärtend für die Angaben aus der Gegend von Ait Ourir ist,
dass sich zwischen dem Dschebel Bou Ouriol (3578) und dem Dschebel Tistouit (3224m)
ein Pass befindet, durch den hindurch von Ait Ourir aus nach Süden, in Richtung der
Bahn des Boliden, beobachtet werden konnte.
Als der Feuerball abrupt hinter dem Dschebel Tistouit verschwand, muss es für den
Beobachter aus der Gegend nördlich des Passes ausgesehen haben, als ob der Bolide
mit dem Berg kollidiert sei. In der Tat sagten die Augenzeugen aus Ait Ourir
im Artikel aus "Al Masah" auch genau das aus. Nach dem der Bolide in den Sichtschatten
des Dschebel Tistouit eingetreten war, setzte er seinen
Flug noch für etwa 10-15 Kilometer fort, bevor er nordöstlich von Tamdakht in einer
Streuellipse niederging.
Ein Meteoritenfragment des Tamdakht-Falles von 208g. Zusammen mit sieben weiteren Bruchstücken bildet es
eine deltaförmige Masse von ~399g. Die größeren Fragmente zeigen deutliche Spuren des Aufschlags auf Kalk- und Sandsteingeröll
Die Feuerballsichtung und damit verbundenen Schall- und seismischen Phänomene wurden erstmals
durch A. Alhyane am 27. Dezember 2008 auf der Meteorite Central Mailing-Liste bekannt
gemacht. Am folgenden Tag brachte die marokkanische Zeitung "Al Masah"
(Der Abend) einen Artikel zu dem Ereignis, der später durch Léa & Philippe Thomas
(www.meteoritica.com) weiter verbreitet wurde.
Al Masah: "Keine Science Fiction"
Article aus "Al Masah" über den Feuerball vom 20. Dezember
Beim nachfolgenden Text handelt es sich um eine Übersetzung
des Al Masah-Artikels aus dem Arabischen ins Deutsche. Die Arabisch sprechenden Leser
mögen mir eventuelle Ungenauigkeiten nachsehen.
"Al Masah" (Der Abend) vom 28. Dezember 2008
Ein Fremdkörper drang in den Himmel über Marrakesch ein, stieß mit einem Berg zusammen und
ließ den Erdboden erzittern.
Die Anwohner der Gegend sind überzeugt, dass ein kosmischer Körper auf die Erde gestürzt ist, ein
Amateurastronom lehnt dies jedoch ab.
Von Malut Aschallah
In der Gegend von Marrakesch wurde ein Feuerball beobachtet, der in
horizontalem Flug den Nachthimmel über den Gemeinden Ait Ourir und Tahnaout durchquerte
und schließlich gegen einem Berg prallte. Der Absturz endete in einer
Explosion, welche die Erde erzittern ließ.
Dies war keine Szene aus einem Science Fiction-Film, sondern geschah tatsächlich in
der Nacht vom letzten Samstag. Die Bewohner, die Zeuge dieses Geschehens wurden, fürchteten
um ihr Leben. Nach übereinstimmenden Berichten aus Ait Ourir und Tahnaout sahen die Augenzeugen
gegen 22:37 Uhr [Ortszeit] ein hellweißes Licht durch den Himmel fliegen, das schließlich
zwischen den Gemeinden Tahnaout und Ukaimiden gegen einen Berg prallte. Den selben Quellen zufolge
ereignete sich eine Explosion in dem Moment in dem das Objekt gegen einen Berg prallte,
worauf ein leichtes Erdbeben zu spüren war.
Nichtmetallischer Einschluss in der Schmelzkruste eines Tamdakht Meteoriten, auf dem sich eine aschgraue glatte
Schmelzrinde gebildet hat. Durch die Struktur zieht sich ein Kontraktionsriss
Ein Augenzeuge, der während des Ereignisses Nachtschicht
in Ait Ourir hatte, beschrieb das mysteriöse Objekt als "abstürzendes
Flugzeug" und gab an, Geräusche gehört zu haben, als das Objekt über ihn
hinwegflog. Dieser Quelle zufolge dauerte
das Ereignis rund drei Minuten, bevor das Objekt jenseits seines Sichtfeldes
in Richtung Tahnaout niederging.
Ein Augenzeuge aus Tahnaout beschrieb das Objekt als einen
"flammenden Ball", ähnlich einem Meteoriten. Der selbe Zeuge berichtete,
dass Hausdächer und Olivenbäume in der Gegend von Tahnaout durch den Schein des Objekts
hell erleuchtet waren, was Panik und die Angst vor einer Katastrophe bei
den Bewohnern auslöste. Besonders, als diese im Moment des Einschlags die Explosionen
hörten und den Boden erzittern spürten.
Keine offizielle Quelle und kein Augenzeuge war jedoch in der
Lage, den genauen Ort des Absturzes anzugeben oder abschätzen, ob das
abgestürzte Objekt eine Gefahr für die Region darstellt. Nach dem Absturz
wurden weder Rauch noch
Feuer beobachtet, auch gibt es bisher keine offizielle Stellungnahme,
die den Vorfall bestätigen oder dementieren wollte.
Der Präsident der Vereinigung der Amateurastronomen Marokkos, Abdelhamid
Touma, wies den Gedanken, dass ein Asteroidenbruchstück die Erde getroffen
habe, zurück. Stattdessen erklärte er im Gespräch mit Al Masah, dass die
Reibungshitze eines Meteoriten das Phänomen ausgelöst habe. Touma sagte
außerdem, es könne sich bei dem Ereignis ebenso wenig um eine
ausländische Spionagedrohne oder ein anderes unbemanntes Flugzeug wie um
ein UFO von einem anderen Planeten gehandelt haben.
Der erfolgreiche Finder M. Aid mit einem 2kg Exemplar des Tamdakht-Meteoriten. In einiger Entfernung ist
der schneebedeckte Gipfel des Djebel Anrhomer zu sehen
Ähnliches Ereignis in Tunesien
In ihrer Ausgabe vom letzten Sonntag berichtete die tunesische Zeitung "Al
Scharuq Al Tunesia" dass die Einwohner Al Kairawans ein Zittern des Erdbodens
erlebten, nachdem sie ein weißes Licht, gefolgt von einer Rauchspur, den Himmel
durchqueren sahen. Dies geschah am 18. dieses Monats, um viertel vor sechs Uhr
Abends in einem Teil des Distrikts Al Kairawans.
Bruchfläche eines 30,20g Fragments des Tamdakht Meteoriten. Deutllich sichtbar: Chondren und eine
hitzeveränderte Zone unterhalb der Schmelzkruste
Der tunesischen Zeitung zufolge
dachten einige Bewohner der Gegend, dass es sich um ein Gewitter handele, andere
glaubten, ein Flugzeug oder eine Rakete sei abgestürzt. Um was es sich auch gehandelt
haben mag, die genaue Position des Absturzes ist bisher unbekannt. Dem nationalen
Meterologischen Institut Tunesiens zufolge handelte
es sich um einen kosmischen Körper, der im Land abgestürzt sei und man setze alles
daran, den genauen Absturzort zu finden.
Wie die Wissenschaft unsere Erde vor solchen Himmelsobjekten beschützen will
Anfang des Monats forderte eine Gruppe Wissenschaftler von der UNO, im Weltall
ein Netz zu installieren, das Himmelsobjekte mit einer potenziell gefährlichen
Bahn identifiziert. Ein solches Verteidigungsnetz soll in der Lage sein, gefährliche
Asteroiden mittels Raumschiffen zu zerstören oder deren Kurs abzulenken. Obwohl die
Wahrscheinlichkeit eines derartigen Zusammenstoßes mit der Erde gering ist, sind die Wissenschaftler
vorsichtig. Denn selbst die Kollision mit einem
kleinen Asteroiden hätte katastrophale Folgen. Dieser Bericht erschien in der britischen
Zeitung Daily Telegraph.