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NWA 5787
Stein, HED-Achondrit, Eukrit
Erworben Februar 2009
Ouzarzate, Marokko
TKW: 48,0 g
Individuum: 48,0 g


 

Die Gesamtmasse des anomalen 48g g Eukriten vor dem Entfernen einer Analyseprobe

 

Parallele Korngrenzen, sichtbar gemacht durch selektive Ablation auf der Schmelzkruste des Meteoriten

Dieser Meteorit wurde als "special stone" im Februar 2009 von einem marokkanischen Meteoritenhändler gekauft. Das Exemplar stammt aus der marokkanischen Sahara, es sind jedoch weder der genaue Fundort noch der Name des Finders überliefert. Der Meteorit hat die Größe und Gestalt einer Feige und zeigt eine, wie Klavierlack glänzende, vollkommen schwarze Schmelzkruste. Die Gestalt ist leicht orientiert mit einer konvexen leicht konischen Vorder- und einer konkaven Rückseite. Die Abmessungen des ungeschnittenen Meteoriten betragen 4,40 x 3,65 x 2,75 cm, das Gewicht des ungeschnittenen Fundstückes beträgt genau 48,0 g.

An zwei Stellen fehlt die Schmelzkruste. Die erste Beschädigung von 7 x 7 mm ist natürlichen Ursprungs und geht auf die Zeit des Falles zurück. Die freigelegte Matrix des Meteoriten zeigt hier bereits eine leicht gedunkelte und mit beginnenden Ablagerungen aus Kalziumkarbonaten und Bodenmineralen bedeckte Oberfläche. Die zweite Beschädigung wurde dem Meteoriten absichtlich zugefügt, es handelt sich um eine fehlende Ecke von 14 x 12 mm, die offensichtlich mit einer Handsäge aus dem Meteoriten geschnitten wurde, um dessen Inneres freizulegen.

Die in Fundlage aufliegende Fläche des Steines zeigt hellrote Caliche Ablagerungen aus Kalziumkarbonaten und Bodenmineralen, die auf einen Fund in hellroter Erde mit Tonkomponenten schließen läßt. Insgesamt macht der Meteorit einen äußerst frischen Eindruck.

Die außergewöhnlich texturierte Schmelzkruste des Meteoriten besteht aus einer Vielzahl von Graten und Nocken, die dem Stein ein runzliges und verschrumpeltes Aussehen verleihen, ähnlich der Haut einer Dörrpflaume. Offensichtlich besteht die Matrix aus Komponenten mit unterschiedlichen Schmelzpunkten, was zu einer körnigen und unebenen Abschmelzung der Oberflächen geführt hat. Einige Stellen der Schmelzrinde zeigen im sub-Milimeterbereich eine vesikulare Struktur mit blasenartigen Einschlüssen.

In zweierlei Hinsicht stellt die Schmelzkruste eine Besonderheit dar: Erstens enthält sie zahlreiche Glastaschen, die in verschiedenen Schmelzstadien erstarrt sind. Das reicht von klaren, nahezu volltransparenten Einschlüssen über honig- und karamellfarbenen bis hin zu vollständig geschmolzenen schwarzglänzend opaken Glaseinschlüssen. Die zweite Besonderheit begegnet in Gestalt feiner paralleler Linien, die sich in Gruppen von drei bis acht als Textur in der Rinde abzeichnen. Diese parallelen Linien stellen die Grenzen grober Körner dar, die aufgrund eines niedrigeren Schmelzpunktes des Füllmaterials während des Ablationsvorganges reliefartig herauspräpariert wurden. Diese Strukturen erreichen Längen von rund 4 mm.

 

In verschiedenen Schmelzstadien erstarrte Glastaschen in der Schmelzkruste des Meteoriten

Wie die Aufnahme der Schnittsektion unten zeigt, scheint der Meteorit im Wesentlichen aus Pyroxenen und feldspathischem Glas (transformiertem Plagioklas) zu bestehen. Der Glasanteil ist dabei relativ hoch, der größte Teil der Matrix besteht aus transparenten oder semitransparenten Komponenten. Unter dem Mikroskop zeigen diese Gläser Vesikel mit eingeschlossenen Schmelzrückständen, was auf ein starkes Schock-Ereignis auf dem Mutterkörper deutet. Ein weiteres Charakteristikum der Matrix sind die relativ groben Korngrößen, die auf ein langsames Erstarren und Auskristallisieren der ursprünglichen Schmelze hinweisen.

 

Aufnahme der polierten Schnittfläche (Körnung 1500) des 38 g Endschnittes. Der Maßstabswürfel hat die Kantenlänge 1 cm

Die für die Klassifikation präparierte Schnittfläche zeigt deutlich die parallele Orientierung der Lamellenstruktur, die einzelne Körner durchzieht. Diese Strukturen gehen nicht, wie man vermuten könnte, auf ein langsames Abkühlen der Mutterschmelze zurück, sondern es handelt sich dabei um die Folge eines starken Schockereignisses, das sich in Gestalt mikroplanarer Stauchungen manifestierte. Im Klassifikationstext heisst es dazu "The plagioclase consists of multiple domains of subparallel, ribbon-like microcrystals, suggestive of quenching from shock melt (as in some shergottites)". Für einen basaltischen Achondriten stellen diese Strukturen ein durchaus ungewöhnliches Charakteristikum dar.

 

Oberflächendetail des 38 g Endschnittes

Das oben abgebildete Detail der Schnittfläche zeigt einen poröseren Teil der Matrix. Deutlich sichtbar sind die Glaskörner und die parallelen Lamellenstrukturen. Wie zu erwarten ist, sind die einzelnen Körner im Verhältnis zueinander nicht gleich sondern willkürlich ausgerichtet, jedes strukturierte Korn weist eine andere Achse auf.

 

Die vollständige 48 g Masse vor Entfernung der Analyseproben


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