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Carancas
Stein, Gewöhnlicher Chondrit, H4-5, W0
Carancas, Chucuito, Puno, Peru
Fall: 15. September 2007, ~16:45 UTC




Um genau 16:45 UTC am Nachmittag des 15. September wurde die Kleinstadt Carancas in Peru von einer heftigen Detonation erschüttert. Augenzeugen beschrieben eine Qualmspur, die vom nordwestlichen Himmel niederging und bei Bodenberührung in einer starken Explosion endete. Im Ort gingen Fensterscheiben zu Bruch, Türen flogen aus den Angeln und einige Gebäude wurden durch herumfliegende Trümmer beschädigt. Über der Einschlagstelle wuchs ein Rauchpilz in die Höhe, der einige Minuten über dem Ort stand. (Bilder 1-3 von Jan Hattenbach)



Zur selben Zeit registrierte die seismologische Messstation in Puno, rund 130km vom Ort des Geschehens entfernt, ein leichtes Erdbeben mit einem Energieäquivalent von 17 Gigajoule bzw. vier Tonnen TNT. Die Explosion schuf einen Krater von 13,8 Metern Durchmesser und etwa sechs Metern Tiefe, der sich rasch mit brackigem Grundwasser füllte. Blasen, die aufstiegen, als das Wasser die entstandenen Schockfrakturen im Boden füllte, führten zu Augenzeugenberichten, der Krater habe noch lange nach dem Einschlag "gekocht". Auswurfmaterial aus dem Krater, wurde bis in eine Entfernung von 100m geschleudert.



Berichte über eine mysteriöse Erkrankung unter den Bewohnern von Carancas, führten in den Medien zu Spekulationen, das abgestürzte Objekt sei toxisch kontaminiert gewesen. Rasch stellte sich jedoch heraus, dass die Berichte über Anfälle von Übelkeit, die nach dem Einschlag vereinzelt auftraten, von den Medien stark übertrieben wurden. Möglicherweise stehen diese Phänomene mit dem stark schwefelhaltigen Grundwasser in der Region in Verbindung, das sich nach dem Einschlag im Krater sammelte und entsprechende Dämpfe freisetzte.

Bald nach dem Einschlag fanden die Anwohner in der Nähe des Kraters zahllose kleine und kleinste Fragmente eines grauen, feinkörnigen Gesteins, dass sich mit Hilfe von starken Magneten aus dem Auswurfmaterial aufsammeln ließ. Einige wenige Fragmente wogen über 50 Gramm und mindestens ein Fragment von 350g ist bekannt (Bild unten). Der weitaus größte Teil der gesammelten Bruchstücke hat jedoch Staubkorngröße und wiegt unter 1g. Die Gesamtmenge der geborgenen Meteoritentrümmer wird derzeit mit rund 3kg angegeben. Angesichts der weitaus größeren Ausgangsmasse des Boliden besteht die Möglichkeit, dass sich noch eine einige hundert Kilo schwere Restmasse unter dem Kraterboden befindet.



Das Bild oben zeigt eines der größten geborgenen Fragmente und wiegt 350g. Die Aufnahme wurde von Erwin R. aus Bolivien zur Verfügung gestellt (www.Bolivia-Minerals.com). Das unten abgebildete 27,20g Fragment des Carancas Meteoritenfalles wurde wenige Tage nach dem Fall direkt am Fundort durch Jan Hattenbach vom Finder erworben. Hattenbach befragte Augenzeugen, dokumentierte den Krater fotografisch und fertigte einen umfassenden Bericht der Ereignisse an. Dieser erschien im Dezember in "Sterne und Weltraum" (12/2007). Das abgebildete Fragment hat die Maße 3,5 x 2,8 x 2,5cm und zerlegte sich entlang einer Schockebene, die im Bild unten als schwarze Oberfläche zu sehen ist.



Der Aufschluss von Schockebenen ist typisch für Carancas Fragmente, oft werden die glatten schwarzen Flächen mit Schmelzkruste verwechselt. Das Exemplar ist Bestandteil der Meteoritensammlung Buhl mit der Inventarnummer B-203 (unten Aufnahme der rückseitigen Bruchfläche.



Neben Wissenschaftlern und Experten aus aller Welt erreichte auch der amerikanische Meteoritenhändler Mike Farmer wenige Tage nach dem Ereignis Carancas. Auch Farmer erwarb vor Ort eine größere Menge Meteoritenfragmente, unter anderem auch einige Stücke direkt von der örtlichen Polizei. Einen Teil der Fragmente stiftete Farmer wissenschaftlichen Instituten. Das Lunar and Planetory Laboratory der University of Arizona veröffentlichte dann bereits am 5. Oktober 2007 das erste offizielle Klassifikationsergebnis des Carancas Meteoriten.

Nach dem Untersuchungsprotokoll verfügt der überwiegende Teil der gesammelten Fragmente über keine Schmelzkruste, ist von grauer Farbe und zeigt Metalleinsprengungen und einige wenige Chondren. Mindestens eine Probe zeigte zwei verschiedene Lithologien, eine weiße und eine graue, was auf eine Brekzie hindeutet. Das Carancas-Material ist von einem Netz aus Schockebenen durchzogen entlang derer sich die einzelnen Fragmente zerlegt haben. Mindestens ein größereres
(~ 2cm) Metallstück, an dem eine dünne Kruste aus Gestein haftete, wurde geborgen.

Die untersuchten Dünnschliffe zeigten, dass das Gestein eine umfassenden Rekristallisation der Matrix durchlaufen hat. Darin liegt auch der Grund für die wenigen sichtbaren Chondren. Die feststellbaren Chondrenreste wiesen Abmessungen von ~170 µm bis 1 mm auf. Olivin und Orthopyroxen mit Fe, Ni-metallenen und Fe-reichen Sulfiden ließen sich ebenfalls feststellen. Der Carancas Meteorite wurde als gewöhnlicher Chondrit des petrologischen Typs H4-5 mit hohem Schockgrad bestimmt.

Ein vorläufiger Bericht zum Carancas-Ereignis wurde außerdem von Luisa Macedo F. and José Macharé O. von INGEMMET, Peru, auf der Website des Geologischen Dienstes veröffentlicht (www.ingemmet.gob.pe). Der Bericht in spanischer Sprache kann als pdf über diesen Link heruntergeladen werden
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