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Nordwestafrika 6203
Eisen, IAB-Hauptgruppe
Ziz River, Bechar Provinz, Algerien
Fund: 2007/2008
TKW: 35,4 kg
Wie viele andere Meteoriten aus Nordwestafrika hat auch dieses Meteoreisen eine lückenhafte Fundgeschichte.
Im Frühjahr und Sommer 2008 boten marokkanische Meteoritenhändler erstmals Stücke dieses Fundes an. Während zwei
Anbieter keine Angaben zum Fundhintergrund machen konnten nannte A. Hmani Ziz (Algerien) als Fundort. Seinen
Quellen zufolge handelt es sich bei den Eisen um Neufunde des bereits bekannten Ziz Meteoriten (NWA 854), einem
Meteoreisen aus dem IAB-Komplex. A. Hmani war so freundlich, uns über das Ergebnis einer metallurgischen
Analyse des neuen Materials in Kenntnis zu setzen, die in seinem Auftrag durchgeführt wurde. Sie kommt
zu dem Ergebnis, dass das neue Material strukturell identisch mit mit den og Oktahedriten wie z.B. Ziz (NWA 854) ist.
Mit seiner freundlichen Erlaubnis bilden wir hier das Zertifikat der
Etudes Metallurgiques et de Traitment Thermique (EMTT) ab. Wie uns das METT mittlerweile auf Anfrage mitteilte,
bezieht sich die Analyse lediglich auf die strukturelle Ähnlichkeit mit Ziz (und den insgesamt 219 anderen Meteoriten des
IAB-Komplexes), es läßt sich hieraus also keine Paarung ableiten.
Im Gegenteil gibt es eine Reihe von Anhaltspunkten, die nahelegen, dass das neue Material einen anderen Fall repräsentiert.
Das Bild oben zeigt ein 1.873g Individuum des neuen Eisens nachdem es mittels Diamantdrahtsäge getrennt wurde.
Neben einem Endschnitt wurden zwei Vollscheiben zu Klassifikationszwecken gesägt. Die Arbeiten wurden in hervorragender
Präzision von Marc Jost in der Schweiz durchgeführt. Wie man an der unbehandelten Schnittfläche bereits erkennen kann,
ist das Meteoreisen von unregelmäßigen Einschlüssen durchzogen.
Oben nun ein polierter und geätzter Endschnitt von 149g. Deutlich sind neben den sehr schön ausgeprägten Neumannschen
Linien im Kamazit des groben oktaedrischen Gefüges eine Vielzahl silikatischer Einsprengsel zu sehen. Diese silikatischen
Phasen, die ungewöhnlich reich an feinkristallinem Olivin sind, nehmen bei manchen Exemplaren des Meteoriten
bis zu 40 Volumenprozent ein. Die silikatischen Einschlüsse sind einer der Gründe, warum eine Paarung des neuen Materials
mit Ziz (NWA 854) unwahrscheinlich erscheint.
Der Großteil der im Jahr 2000 gefundenen Massen von Ziz (NWA 854) befindet sich heute in den USA in der Hand eines Sammlers.
Dieser bestätigte uns, dass keine der in seinem Besitz befindlichen Massen, die nach eigener Auskunft etwa 90 Prozent der
Gesamtfunde ausmachten, silikatische Einschlüsse zeige. Auch die Etudes Metallurgiques et de Traitment Thermique (METT)
in Francheville in Frankreich, die seinerzeit einen Teil der Ziz-Funde untersuchte, bestätigte uns auf Anfrage, dass keine silikatischen Einschlüsse in
den untersuchten Proben gefunden wurden.
Neben der Zusammensetzung des Meteoriten gibt es jedoch noch weitere Anhaltspunkte, die gegen eine Paarung von Ziz (NWA 854) und dem
neuen Material sprechen. Während Ziz durchgehend ein sehr frisches Erscheinungsbild mit glatter Schmelzrinde und hervorragend erhaltenen
Regmaglypten zeigt, weisen die neuen Funde eine starke Erosion durch Windschliff (Korrasion) auf.
Wie die Aufnahme oben zeigt, wechseln sich bei den neuen Funden Eisen- und silikatische Cluster
großflächig ab, wobei die Eisenanteile in Fläche und Volumen leicht überwiegen. Auf allen
Oberflächen, mit Ausnahme der silikatischen Partien, zeigen sich Reste erodierter Regmaglypten. Die Textur
der Eisenoberflächen bildet infolge der Korrasionschäden grobkörnig erodierte Muster. Der Verlust von ursprünglichem Material
beträgt im Schnitt etwa 2 mm. Die durch Korrasion angegriffen Flächen
zeigen einen matten, ins olive changierenden Glanz, der typisch für Metalle ist, die in der Sahara dem
Sandflug ausggestzt sind. Auf diesen Flächen sind deutlich die Balkengrenzen der Lamellen zu sehen (Bild oben).
Die Grenzzonen zwischen den Eisen- und Silikatpartien sind aufgrund
des leichteren Zutritts chemischer Verwitterung an vielen Stellen deutlich ausgeprägt. Offensichtliich ist auch der
höhere Materialverlust der silikatischen Partien im Vergleich zum Eisen.
Dieser Befund ist allen Massen der neueren Funde gemein. Entweder, die neuen Funde
stammen aus einem gänzlich anderen Gebiet mit abweichendem Oberflächenhorizont, oder, falls die neuen Funde
tatsächlich aus der Region der ursprünglichen Ziz-Funde stammen sollten, verfügen sie über eine
deutlich höhere exponierte Liegezeit als die Ziz-Eisen (NWA 854) und damit sehr wahrscheinlich auch über ein höheres
terrestrisches Alter.
Die beiden Aufnahmen oben und unten zeigen Brustseite (oben) und Rückseite (unten)
eines orientierten 173g Exemplars des originalen Ziz-Meteoriten (NWA 854) aus Algerien.
Ausgeprägte Fließlinien und eine nur leicht patinierte nahezu vollständig erhaltene
Schmelzrinde sind typisch für dieses ausgesprochen schöne Meteoreisen. (Aufnahmen mit freundlicher
Genehmigung von Jason Utas)
Das Bild unten zeigt eine spektakuläre 23 kg Masse des Ziz Eisenmeteoriten. (Bild: Jason Utas).
Weitere Aufnahmen der Ziz Eisen aus Algerien finden sich auf Jason Utas' Website "The Irons of Ziz, Algeria".
Ein interessantes Papier mit dem Titel "Expertise and Analysis of
a Sample of Ziz Meteorite" (EMTT, 2000) zu NWA 854 wurde uns freundlicherweise von Herrn
Marcin Cimala aus Polen zur Verfügung gestellt. Der Bericht des EMTT kann
hier heruntergeladen werden. (Größe: 5MB!)
Die spektrometrischen Untersuchungen ergaben unter anderem einen ungewöhnlich hohen Gehalt an Germanium für Ziz (640ppm).
Aufgrund der Unwahrscheinlichkeit einer Paarung von Ziz (NWA 854) und den neuen Funden (Bild unten) haben wir eine Probe des neuen Fundes
zur Klassifikation nach den Richtlinien der Meteoritical Society eingereicht. Das mittlerweile
im Meteoritical Bulletin No. 98 publizierte Ergebnis bestätigte, dass es sich um einen
separaten Fund handelt, weshalb der Fund auch eine eigene NWA-Nummer erhielt: NWA 6203.
Datenblatt:
NWA 6203
Eisen, IAB-Hauptgruppe
Ziz River, Bechar Provinz, Algerien
Fund: 2007/2008
TKW: 35,4 kg
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