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Regmaglypten
Teil 1, Eisenmeteoriten



2,7 kg Henbury Eisenmeteorit (Inventar # B-0099) vom gleichnamigen Kraterfeld im Northern Territory, Australien. Das Exemplar weist deutliche Anzeichen eines individuellen Fluges auf, es handelt sich also nicht um ein Fragment oder Impakt-Schrapnell, sondern um ein Individuum. Trotz mehrtausendjähriger Verwitterung im australischen Lateritboden sind die vielen kleinen Regmaglypten auf diesem prachtvollen Eisenmeteoriten noch gut erhalten.



Sikhote Alin Meteorit, 4,971 kg (Inventar # B-0243). Nahezu die gesamte Oberfläche des Meteoriten wurde durch die thermische Ablation während des Atmoshärenfluges geglättet. An einigen Stellen sind jedoch noch deutlich die ursprünglichen Scherflächen zu sehen, die Zeugnis vom explosionsartigen Auseinanderbrechen des Meteoriten geben. Aufgrund des Auseinanderbrechens in niedriger Höhe hielt der Abschmelzvorgang nach der Fragmentation nicht lange genug an, um auch diese Partien noch vollständig zu glätten. Dieser Befund geht einhand mit dem dreistufigen Fragmentationsmodell, wie es Jewgeni L. Krinow für den Sikhote Meteoritenfall dargestellt hat (J.L.Krinow, Giant Meteorites, 1966).



Detail des 4,9 kg Sikhote Alin Meteoriten. Regmaglypten sind ausgeformte Unregelmäßigkeiten der ursprünglichen Bruchfläche. Sie entstehen durch Mikro-Turbulenzen und Verwirbelungen des Plasmastroms, die sich in Rinnen und Vertiefungen der Meteoritenoberfläche stauen und diese weiter ausschmelzen. Zwar werden hervorstehende Kanten, Grate und Nocken der ursprünglichen Bruchfläche abgetragen und geglättet, dennoch entstehen beim Ablationsprozess während des heissen Atmosphärenfluges keine ebenen Flächen: denn sobald sich der Plasmastrom in einer Vertiefung staut, ist der Ablationsquotient in die Tiefe des Materials größer als zu den Seiten hin. Der Effekt auf die Oberfläche ist dann kein nivellierender mehr, sondern ein aushöhlender. An Meteoriten läßt sich dieser Prozess an den Fließlinien ablesen, die oft radial oder spiralförmig vom Zentrum einer Regmaglypte zu den Rändern fliehen.



Leichte Anzeichen von Flugorientierung an einem 5,9 kg Sikhote Alin Individuum (# B-0151) in Gestalt länglicher Regmaglypten, die radialförmig von der Bildmitte aus wegstrahlen. Das Verhältnis von Länge zu Breite einer Regmaglypte und eine korrelierende Ausrichtung der Fließlinien ist ein brauchbarer Indikator für eine stabile Flugphase eines Meteoriten.



Die Aufnahme zeigt einen 1,471 kg Taza (NWA 859) Eisenmeteoriten (Inventar # B-0146). Mechanische und chemische Verwitterung hat die Textur der Regmaglypten dieses Exemplars bereits verändert. Prähistorische Schäftungsspuren und die Verwendung als Keulenkopf haben außerdem einige vorspringende Nocken aufpilzen lassen. Obwohl die chemische Verwitterung noch nicht weit fortgeschritten ist, zeigt sich der erodierende Effekt bereits deutlich. In den meisten ariden oder hyper-ariden Fundgebieten führt die Verwitterung von Oberflächenfunden zu einem Ausfransen und zu einer Glättung der Regmaglypten, da die Oxidation und der Sandabrieb (Korrasion) an den Graten stärker ansetzt als in den Tälern der Schmelzgruben. Bei Fundstücken, die in der Erde eingebettet sind, ist dagegen oft eine starke Aushöhlung der Regmaglypten zu beobachten.



Das oben abgebildete Exemplar eines Gibeon-Meteoriten wurde 1985 von Manfred Gollub auf dessen Farm zwischen Maltahöhe und Gibeon gefunden. Die Masse misst 42 x 36 x 6,6 cm und formt einen flachen mehr oder weniger ovalen Schild mit ausgefransten sich verjüngenden Rändern. Aufgrund des flachen Profils wiegt der Meteorit lediglich 29,9 kg. Die abgebildete leicht konkave Fläche besteht aus flachen Regmaglypten mit einer durchschnittlichen Breite von 2 cm und einer durchschnittlichen Tiefe von 1,2 cm, die in einem Zufallsmuster angeordnet sind und keiner radialen Orientierung folgen. ("Maltahöhe" ist kein Synonym für Gibeon, sondern der Feldname der hier beschriebenen Gibeon-Masse. Es handelt sich um ein Individuum des Gibeon-Falles (IVA). Die hier beschriebene Maltahöhe-Masse ist deshalb nicht identisch mit dem Meteoriten Maltahöhe, bei dem es sich um ein IIICD-Eisen handelt (siehe auch Meteoritical Bulletin, No. 71, S. 258)).)

Obwohl keine Schmelzrinde mehr erhalten ist, dürfte die Flächenerosion insgesamt eher als moderat anzusprechen sein: Die Regmaglypten sind immer noch klar abgezeichnet und die bei Gibeon sonst üblichen Aushöhlungen durch Bodenätzung treten an dieser Masse nur in sehr geringem Maße auf.



Das Bild oben zeigt ein 9,1 kg Individuum des Campo del Cielo Eisenmeteoriten aus der Chaco Provinz in Argentinien (Inventar # B-0242). Obwohl der Meteoritenfall erst ~4.000 Jahre zurückliegt, ist die chemische Verwitterung bereits sehr viel weiter fortgeschritten, als bei dem oben gezeigten Taza Exemplar, das ein höheres terrestrisches Alter aufweist. Das Campo del Cielo Streufeld liegt in einer relativ humiden Zone mit einer starken Lößbodendeckung, die als Wasserspeicher wirkt. Bodensalze tragen zusätzlich zur Korrosion des Meteoreisens bei. Trotz der vergleichsweise aggressiven Umgebung werden immer wieder Campo-Meteoriten gefunden, die noch über gut erhaltene Regmaglypten verfügen. Das Bild unten zeigt die leicht konkave Rückseite des oben abgebildeten Exemplars.





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