Tamdakht
Stein, Chondrit, H5, S3, W0
Tamdakht, Quarzazate Provinz, Marokko
Fall: 20. Dezember 2008, 22:37 Uhr Ortszeit
TKW: ~100 kg
Individuum: 2007 g
Die Vorderseite des 2007g schweren bei Tiguert n'Ait Farss (#01) gefundenen Meteoriten
Sekundäre Schmelzkruste auf einer der Bruchflächen angrenzend an primäre Kruste mit ausgeprägten Kontraktionsrisse. Der weiße
Belag besteht aus Kalksteinstaub vom Aufschlag auf dem Geröllboden
Nach einem hellen und lang anhaltender Feuerball fielen nahe Tamdakht im Hohen Atlas mindestens 13 Massen mit
einem Gesamtgewicht von >55kg. Erste
Bruchstücke des Meteoriten wurden zwei Wochen später entdeckt.
Mehr Informationen hierzu im
Bericht zum Meteoritenfall von
Tamdakht, Marokko, vom 20. Dezember 2008.
Der abgebildete Meteorit wurde am 17. Januar in rund 1500 Metern Höhe bei Tiguert
n'Ait Farss gefunden. Das deltaförmige Exemplar zeigt sechs Oberflächen, eine leicht konvexe Vorder- und eine konkave
Rückseite. Der Meteorit zeigt keine Anzeichen von Orientierung, die Zuordnung der
Seiten erfolgt rein aus Gründen der sprachlichen Unterscheidung.
Die 2,007kg Masse weist eine frische raue primäre Schmelzkruste auf der Vorderseite
und den Flanken auf. Einige Stellen zeigen deutlich ausgeprägte Kontraktionsrisse. Die
Rückseite zeigt ein Musterbeispiel einer sekundären Schmelzkruste, die sich noch in
einem frühen Stadium befindet: Die Oberflächentextur ist grobkörnig und uneben, die
Stuktur der Bruchfläche ist unter einer dünnen, rußig anmutenden Schicht Schmelzrinde
immer noch sichtbar. Grate und Nocken der Bruchfläche sind durch den Ablationsprozess
zwar bereits abgerundet, die tiefer liegenden
Partien zeigen jedoch noch immer den Charakter eines frischen Bruchs.
Die Rückseite des Tiguert n'Ait Farss 01 Meteoriten zeigt sekundäre Schmelzkruste in einem frühen Stadium
Noch eine weitere kleine Fläche am Apex eines der drei
Schenkel weist eine sekundäre Schmelzkruste auf. Sie befindet sich
im gleichen frühen Stadium, wie jene auf der Rückseite des Meteoriten.
Offensichtlich brach der Meteorit ein weiteres Mal auseinander, nachdem
er bereits zu einem früheren
Zeitpunkt des Fluges von der in die Atmosphäre eindringenden Hauptmasse
des Tamdakht-Meteoriten abgetrennt wurde.
Die Bruchfläche einer abgescherten Ecke zeigt sekundäre Schmelzrinde
Bemerkenswert sind kleinere Flecken fehlender Rinde, auf denen sich sekundäre Kruste in den
verschiedensten Stadien befindet. Diese deuten darauf hin, dass die während des Atmosphärenfluges
akkumulierten Kräfte auch zu einem sukzessiven Ablösen
kleinerer Außenpartien des Meteoriten führten.
Als der Meteorit aufschlug, drang er mit der Rückseite eines der Schenkel zuerst in den Boden
ein. Dies führte zum Abscheren einer 3 x 3 cm großen Partie, die weitgehend zertrümmert wurde,
und sich in Gestalt kleinster Bruchstücke mit dem Boden der eben geformten Aufschlagmulde
mischte. Weitere kleinere Beschädigungen der Kruste deuten auf ein Abprallen oder Weiterrollen
nach dem ersten Aufprall. Die sichtbare Matrix zeigt nur wenige Spuren einsetzender
Verwitterungen und weist im
Erhaltungszustand keinerlei Unterschiede zu den Anfang Januar gefundenen Meteoriten des
Tamdakht-Falles auf.