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Expedition 2002 - Die Story
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Durchfahrt durch eine Basaltwüste im Tassili des Ahaggar
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Unser Team - zwei Geologen, ein Althistoriker und ein Dokumentar, hat die 480 km lange Anreise in den Niger von Tamanghasset im Süden Algeriens aus angetreten. Wir haben die Ausläufer des Ahaggar Gebirges passiert und in In-Guezzam ein Nachtcamp aufgeschlagen. Es ist der einzige zur Zeit geöffnete Grenzposten, der den Niger mit Algerien verbindet. Fahrzeugwracks aus den letzten fünf Jahrzehnten säumen die Piste und zeugen vom Schicksal der hier Gestrandeten. Verbrannte Autoreifen berichten von den Versuchen, ein letztes Rauchsignal an die oft fernen Retter abzugeben.
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Mumifiziertes Dromedar in der Tamesnawüste. Bis zu zwei Monate ohne Wasser können die extrem widerstandsfähigen Tiere überleben. Dieses Exemplar verendete rund 180 Kilometer vor der nächsten Wasserstelle.
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Wir sind unterwegs mit Aoutchiki Kriska, genannt "Le Criquet". "Die Heuschrecke", das ist der Name, den der in Frankreich studierte Biologe und Tuareg vom Stamm der Qel Tedele für die erfolgreiche Bekämpfung einer Heuschreckenplage erhielt, die Mitte der achtziger Jahre die Weidegründe seines Stammes heimsuchte. Als Anführer der Rebellion von 1991, in der die Tuareg einen aussichtslosen Kampf für Gleichberechtigung und Integration führten, kennt der stets mit dem indigoblauen Tugulmust verschleierte Volksheld die Regionen unserer Suchgebiete wie kein anderer. Die Waffen ruhen, seit Aoutchiki 1995 zusammen mit Mano Dayak den Friedensvertrag mit der Regierung unterzeichnete. Die Lage hat sich heute weitgehend normalisiert. Indes gehören die Wüsten beiderseits des Air-Gebirges, in die sich die Rebellen seinerzeit zurückzogen, noch immer zu den unberührtesten Regionen unserer Erde.
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Aoutchiki, "die Heuschrecke"
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Abseits der einzigen dünn befahrenen Piste, die von Agadez über Arlit nordwärts über die Grenze nach Tamanghasset führt, beginnt eine elemetare Zone, die dem Reisenden keine Fehler mehr verzeiht. Diese Erfahrung musste bereits Heinrich Barth machen, der die Gegend im August 1850 auf seiner "großen Reise" durchquerte. Einzig die hervoragenden Augen seines Tuaregführers retteten den seinerzeit auf einem Erkundungsausflug verirrten Forscher, dem Wahnsinn nahe, vor dem sicheren Tod durch Verdursten. Mit einem heiseren "el hamdulillah" konnte der junge Endtdecker seinen Retter in die Arme schließen.
Unser erstes Zielgebiet ist "Timmersoi", was in Tamashek, der Sprache der Tuareg, "Platz der Kadaver" bedeutet. Eine breite, die Tamesnawüste von Nordost nach Südwest durchziehende Ebene, deren erdgeschichtliches Entstehungsalter wir nach den wenigen für dieses Gebiet erhobenen Daten auf rund fünfzehntausend Jahre schätzen. Unser Ziel ist die Suche nach extraterrestrischen Gesteinen, die hier seit Tausenden Jahren im Staub der Sahara liegen müssten. So jedenfalls verspricht es die Statistik. Denn pro Hektar Erdoberfläche fällt im Schnitt alle tausend Jahre ein Meteorit mit einem Gewicht von über zehn Gramm. Konstante Witterungsbedingungen, geringe Luftfeuchte, und vor allem die fehlende Besiedelung schufen in Teilen der Sahara über lange Zeiträume ideale Bedingunden für die in situ-Konservierung solch kosmischen Irrläufer.
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Sedimentationszonen auf der nördlichen Marshemisphäre (Pfeile). Schluchten und ältere Kraterbassins werden durch Materialablagerungen nivelliert. Die jüngeren Horizonte sind an der geringen Anzahl der Einschlagskrater zu erkennen.
Der größere Impakt am linken Bildrand hat einen Durchmesser von rund 250 Kilometern.
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Zur Recherche potenzieller Fundgebiete dienten uns neben den topografischen Karten, auch Satellitenbilder, auf denen die Spuren erdgeschichtlicher Prozesse meist besser zu erkennen sind als auf den idealisierten Kartendarstellungen. Ein wesentlicher Punkt der Vorarbeit bestand darin, die erdgeschichtlich jüngeren Sedimentationszonen, also solche Gebiete, in denen Wind- und Wasserablagerungen die ursprünglichen Horizonte überdeckt haben, zu erkennen und bei unserer Suche auszuschließen. Um solche Ablagerungen aus den Satellitenaufnahmen herauslesen zu können, kam auch Bildmaterial von anderen Himmelskörpern zur Verwendung.
Besonders die Marsoberfläche eignet sich aufgrund der hohen Einschlagsdichte besonders, um das relative Alter bestimmter Oberflächenstrukturen genauer zu bestimmen. Hinzu kommt, dass die Wüsten der Marsoberfläche das Produkt ungleich extremerer Klimaeinflüsse darstellen und somit ein deutlicheres Bild ihrer Entstehungsgeschichte abgeben. Geomorphologische Vergleiche mit den Wüstengebieten im Niger halfen, jene Gebiete zu erkennen, in denen die älteren Horizonte inklusive der darauf befindlichen Meteorite durch Ablagerungen bedeckt wurden.
120 km hinter In Guezzam glauben wir, die bewohnte Welt hinter uns gelassen zu haben, doch frische Wagenspuren von mindestens sechs Fahrzeugen belehren uns eines besseren. Unsere Führer, die bereits ahnen, mit wem wir es zu tun haben, versprechen uns eine Begegnung der besonderen Art. Nach einigen Kilometern erreichen wir die unbewohnte Oase Timir. Die wenigen Tamarisken und Akaziensträucher verdanken Ihre Existenz einer artesischen Quelle, die hier inmitten der Tamesna an die Oberfläche tritt, Beleg für die noch junge vulkanische Aktivität des nahen Air-Gebirges.
Wir fahren langsam in einer weiten Schleife um den Ort, doch man hat uns bereits von Weitem erspäht. Zwischen den Büschen treten Gestalten hervor, die uns heranwinken. Es ist ein Trupp Schmuggler, die Zigaretten über die Grenze nach Algerien transportieren. Als "La Contrebande", wie sie die Tuareg nennen, geistern sie durch Reisebrichte und Schauermärchen, doch kaum ein Europäer bekommt sie je zu Gesicht.
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